Alexandra Geiser vom Hilfswerk „Action Medeor“ in Tönisvorst hat Medikamente ins Krisengebiet gebracht.

Alexandra Geiser war als Helferin in Haiti.
Alexandra Geiser war als Helferin in Haiti.

Alexandra Geiser war als Helferin in Haiti.

Reimann

Alexandra Geiser war als Helferin in Haiti.

Tönisvorst. Es klingt kurios: Der stärkste Eindruck, der Alexandra Geiser vom Katastrophengebiet in Haiti im Gedächtnis geblieben ist, ist positiv. "Das war in einem kleinen Krankenhaus am Rand von Port-au-Prince. Mein erster Gedanke war: Gott sei Dank gibt es so einen Ort in all’ dem Chaos hier."

Ende Januar war die 38-Jährige als Leiterin der Humanitären Hilfe des Medikamenten-Hilfswerks "Action Medeor" für zehn Tage in der haitianischen Hauptstadt, um vor Ort die Verteilung der Hilfe zu koordinieren. 27 Tonnen Verbandsmaterial, Schmerzmittel und Antibiotika im Gegenwert von rund 500.000 Euro hat das Tönisvorster Hilfswerk bisher in das Erdbebengebiet geliefert.

"Ich habe noch nie eine Katastrophe solchen Ausmaßes erlebt", schildert Geiser die Zustände in dem krisengebeutelten Land. Und erlebt hat sie schon einiges: Nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien leistete sie in Sri Lanka, Indonesien und Indien Wiederaufbauhilfe.

Nach der Landung war sie 18 Stunden im Auto unterwegs

Doch im Gegensatz dazu fanden die Tausenden internationalen Helfer in Haiti keinerlei brauchbare Infrastruktur vor: Die Regierung war handlungsunfähig, die Strukturen der Vereinten Nationen (UN) zerstört, die örtlichen Hilfsorganisationen ein Torso, der Flug- und der Schiffshafen in Port-au-Prince nur begrenzt nutzbar. "Das waren extremste Bedingungen." Um überhaupt eine Chance zu haben, die dringend benötigten Hilfsgüter zu den Patienten zu bringen, landete Geisers Maschine auf dem Flughafen von Santo Domingo, der Hauptstadt der benachbarten Dominikanischen Republik.

"Dann sind wir nachts im Autokonvoi nach Port-au-Prince aufgebrochen. Die Fahrt hat 18 Stunden gedauert", so Geiser. Eine wahre Odyssee, weil von Santo Domingo nach Port-au-Prince nur eine große Straße führt, die tagsüber von Flüchtlingsströmen und Hilfstransporten verstopft ist.

Vier Wochen nach dem Erdbeben haben erst 272.000 von 1,9 Millionen Obdachlosen eine provisorische Unterkunft gefunden. Fast eine halbe Million Menschen hat Port-au-Prince verlassen. Mehr als 91.000 Familien oder fast 468.000 Menschen leben in 315 Notlagern in und bei der Hauptstadt.

Wegen eines Schwindels mit gefälschten Lebensmittelscheinen hat das Welternährungsprogramm (WFP) der UN an einer Verteilstation in Port-au-Prince Versorgungspakete für 10.000 Menschen zurückgehalten. Viele verärgerte Menschen forderten gültige Tickets für die Essensverteilung.

Schwierigkeiten, sich vor Ort zu verständigen, hatte die gebürtige Mönchengladbacherin nicht. Die Diplom-Regionalwissenschaftlerin für Lateinamerika spricht fließend Spanisch, Englisch und Französisch. Besonders beeindruckt ist Geiser von der tapferen Haltung der Haitianer: "Ich habe höchsten Respekt vor den Leuten dort. Obwohl sie ihr eigenes Überleben organisieren müssen, sind sie ruhig geblieben und haben die Hilfe dankbar angenommen."

Das Ausmaß der Katastrophe macht sie immer noch betroffen, mit einem baldigen Erfolg des Wiederaufbaus rechnet sie nicht: "Das wird mindestens fünf Jahre brauchen." Dennoch ist Alexandra Geiser überzeugt, dass Haiti und seine Bewohner eine Chance haben, gestärkt aus dem Schicksalsschlag hervorzugehen.

"Die Welt schaut jetzt zu, Haiti ist ein Thema geworden. Die Öffentlichkeit wird beim Wiederaufbau hinschauen und notfalls Druck ausüben, wenn es nicht nach Plan läuft. Das ist eine große Chance, in vielen Bereichen etwas aufzubauen."

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