Topmodel-Gewinnerin Sara Nuru über ihren Auftritt in Unterwäsche, liberale Deutsche und Aufbrezeln an sich.

Heidi Klum (l.) hat Sara Nuru zum Topmodel erkoren.
Heidi Klum (l.) hat Sara Nuru zum Topmodel erkoren.

Heidi Klum (l.) hat Sara Nuru zum Topmodel erkoren.

dpa

Heidi Klum (l.) hat Sara Nuru zum Topmodel erkoren.

Köln. Das Finale zog sich gehörig, aber irgendwann ging doch noch der Glitzerregen auf die Gewinnerin nieder: Sara Nuru mit dem strahlenden Lächeln ist nach Ansicht der Jury um Heidi Klum Deutschlands neues Topmodel. Die 19-Jährige wohnt mit ihren Eltern, die 1986 aus Äthiopien eingewandert sind, in München. Die Hobbyköchin hat drei Schwestern.

WZ: Sara, wie ist das Gefühl, vor 15000 Leuten in Unterwäsche dazustehen?

Sara Nuru: Das war toll, ein unglaublich schönes Gefühl. Vor drei Monaten hätte ich das wahrscheinlich nicht so gut gekonnt, aber jetzt würde ich es am liebsten sofort wieder machen. Außerdem hatte ich ja auch noch einen Umhang an, es war insgesamt ein sehr ästhetischer und kein billiger Auftritt.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Heidi Klum es auch bei der letzten Entscheidung so quälend lange spannend machen wollte?

Sara: Ich war so nervös und so unter Druck. Ich dachte immer nur: Sag, sag, sag - und lass es mein Foto sein. Wenn ich mir die Show noch mal in der Aufzeichnung angucke, muss ich bestimmt weinen.

Heidi Klum ist noch nie eine gute Moderatorin gewesen. Aber hier wirkte sie schon mit dem Ablesen ihres Textes heillos überfordert: "Ja, was soll ich sagen?" Das wollte sie wohl durch haltlos eingestreute Quietsche-Ausrufe wettmachen - erinnerte dadurch aber erst recht an die Klum-Parodie in der Comedyreihe "Switch".

Vor lauter Werbe-Unterbrechungen fand man die Show kaum wieder. Die Spots machten fast ein Drittel der Sendezeit aus. Da außer Selbstbeweihräucherung der Jury auch sonst nicht viel passierte, schleppte sich das Finale mühsam zum Ende.

Und dann haben Sie entspannt gefeiert?

Sara: Nein, nein, ich habe nicht lange gefeiert, sondern bin früh gegangen.

Sie sind für die Show monatelang herumgereist. Wie viel bekommt man da noch von der normalen Welt mit, etwa von der Wirtschaftskrise?

Sara: Es sind auf jeden Fall weniger Touristen in Hawaii und Singapur. Aber wir haben schon viel gesehen. In den Städten gab es für uns immer Besichtigungstouren.

Haben Sie sich in Deutschland je wegen ihrer dunklen Hautfarbe diskriminiert gefühlt?

Sara: Nein, die Hautfarbe spielt hier keine Rolle. Zuerst haben wir in Grünbach, einem bayerischen Dorf mit 550 Einwohnern - und zwar ziemlich konservativen - gelebt. Wir waren da die erste ausländische schwarze Familie, aber alle haben uns gleich ins Herz geschlossen. Ich habe mich in Deutschland nie diskriminiert gefühlt. Ich bin hier geboren, und dies ist mein Land. Und jetzt können auch andere Mädels sehen, dass es gar keine Rolle spielt, aus welchem Land man kommt oder welche Religion man hat. Es zählt nur die Leistung und die Persönlichkeit.

Wollen Sie neben dem Modeln weiter die Schule besuchen?

Sara: Ich gehe im September wieder zur Schule und muss gucken, ob ich das parallel zum Modeln machen kann oder ob ich besser ein Fern-Abi versuche. Aber einen Abschluss will ich auf jeden Fall: Es wäre sehr blöd von mir zu denken, dass ich jetzt künftig einen Auftrag nach dem anderen bekomme. Genauso schnell, wie man hochgekommen ist, kann man auch wieder abstürzen.

Gehen Sie jetzt noch ungeschminkt aus dem Haus?

Sara: Klar, das habe ich früher ja auch getan. Allerdings stehe ich jetzt wohl mehr im Fokus, und da ist es sicher angebracht, sich dann und wann etwas aufzufrischen. Aber wenn ich nur zum Bäcker gehe, ist das nicht notwendig.

Stimmt der Satz: Wer schön sein will, muss leiden?

Sara: Ja, das stimmt schon. Hohe Schuhe schmerzen einfach. Und wenn man schön sein will, ist es eben mit einem gewissen Aufwand verbunden. Aber es kann ja jeder selbst entscheiden, ob er sich aufbrezeln will.

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