«Verschleppt» - Letzter Fall für SR-Tatort-Duo
Die «Tatort»-Kommissare Kappl und Deininger ermitteln zum letzten Mal. Foto: Becker&Bredel

Die «Tatort»-Kommissare Kappl und Deininger ermitteln zum letzten Mal. Foto: Becker&Bredel

dpa

Die «Tatort»-Kommissare Kappl und Deininger ermitteln zum letzten Mal. Foto: Becker&Bredel

Saarbrücken (dpa) - Das Thema des letzten Falls für das saarländische «Tatort»-Ermittlerduo Franz Kappl und Stefan Deininger ist nicht neu, aber aufwühlend wie eh und je. «Verschleppt» (22.1., 20.15 Uhr, ARD) handelt von Mädchen in den Händen eines Psychopathen.

Nach jahrelanger Gefangenschaft wird eines der verwirrten Opfer tot gefunden, ein zweites lebend aufgegriffen. Für die Kommissare, gespielt von Maximilian Brückner und Gregor Weber, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie ahnen, dass der Entführer mindestens ein weiteres Mädchen in seiner Gewalt hat.

Mit eindringlichen, dichten Nahaufnahmen bringt der aus Finnland stammende Regisseur und «Tatort»-Spezialist Hannu Salonen für den Saarländischen Rundfunk (SR) den Zuschauern die Seelenqualen der Opfer näher. «Für mich war entscheidend bei diesem Film, dass er nicht aus der Ferne beobachtet und die Protagonisten agieren lässt, sondern uns teilhaben lässt, nah dran bleiben, uns dahin führt, wo die Hitze entsteht», beschreibt Salonen seine Idee.

Bisher lebten die SR-«Tatorte» zu einem großen Teil von den Charakteren ihrer Hauptfiguren. Das war bei dem «Genussmenschen» Kommissar Max Palu so, der 2006 nach 17 Jahren gehen musste; das war bei seinen Nachfolgern so, dem Bayern Franz Kappl (Brückner) und seinem saarländischen Kollegen Stefan Deininger (Weber). In ihrer siebten Folge jedoch treten die beiden Kommissare eher in den Hintergrund - ganz passend eigentlich zum Aus für die beiden recht beliebten Ermittler.

Denn der kleine ARD-Sender verlängerte nach Abschluss der Dreharbeiten überraschend die Verträge mit Brückner und Weber nicht - lapidare Begründung: «Die Geschichte ist auserzählt.» Dies löste bei den Betroffenen, aber auch in der «Tatort»-Fangemeinde einiges Kopfschütteln und heftige Diskussionen aus. Denn schließlich erfreute sich das Ermittlerduo weiter Zuspruch. «Gerade die letzten "Tatorte" zeigten für uns eine positive Entwicklung: Steigende Quote - aktuelles Ranking Platz 7 von 16 Kommissaren - und gute Kritiken», erklärten Brückner und Weber im November irritiert.

Kurz vor der Ausstrahlung ihres letzten «Tatorts» legte Weber mit seiner Kritik am Sender nun nach. Dem Kölner «Express» (Donnerstag) sagte er: «Gucken Sie sich die Folge "Verschleppt" am Sonntag bloß nicht an! Sie ist schlecht.» Während der Dreharbeiten zu dem Krimi seien er und Brückner zwar noch nicht entlassen gewesen, hätten aber Ärger mit dem zuständigen SR-Redakteur gehabt. «Wir haben nur Dienst nach Vorschrift gemacht», erklärte Weber - und zwar aus inhaltlichen Gründen. «Das Drehbuch strotzte vor Logikfehlern.» So hätten sie dann «hier etwas improvisiert, da etwas geflickschustert».

Und in den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» (Freitag) beschwerte er sich über mangelnden Respekt seitens der SR-Verantwortlichen über die Jahre hinweg: «Was von denen bei mir ankam, war im Grunde immer: Sie sind ja gar kein Schauspieler, Sie sind so eine Dialektpappnase.» Warum er trotzdem weitergemacht habe? «Diese Vorstellung, dass Schauspieler nur Rollen spielen, von denen sie total überzeugt sind - das ist ja Humbug. Ich zahle Miete und habe Familie. Für die ein oder zwei "Tatorte" im Jahr bin ich gut bezahlt worden.» Der letzte Krimi mit dem Duo Kappl/Deininger sei jetzt nicht mal eine richtige Abschiedsfolge geworden, meinte er enttäuscht. Der SR wollte sich zu der neuerlichen Kritik nicht äußern.

Als Ersatz für den Bayern Brückner hat der Sender den von der Ostsee-Insel Rügen stammenden Schauspieler Devid Striesow verpflichtet. An seiner Seite soll die noch recht unbekannte saarländische Schauspielerin Elisabeth Brück für Quote sorgen. An dem Konzept für die SR-«Tatorte» unter Leitung des gemischten Fahnder-Doppels wird noch gebastelt. Näheres will der Sender kommenden Monat auf der Berlinale in Berlin preisgeben.

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