Christopher Street Day
Der CSD verleiht Flügel. Foto: Roland Weihrauch

Der CSD verleiht Flügel. Foto: Roland Weihrauch

Schön machen für den CSD in Köln. Foto: Roland Weihrauch

Ein Dandy beim Christopher Street Day in Köln. Foto: Roland Weihrauch

Bunt soll es sein beim CSD in Köln. Foto: Roland Weihrauch

Sommer, Sonne, CSD in Köln. Foto: Roland Weihrauch

Unpolitisch ist der CSD nicht unbedingt. Foto: Roland Weihrauch

Auf großer Fahrt zum CSD in Köln.Foto: Roland Weihrauch

Frauen und Männer jeden Alters zogen durch die Kölner Innenstadt. Foto: Roland Weihrauch

dpa, Bild 1 von 8

Der CSD verleiht Flügel. Foto: Roland Weihrauch

Köln (dpa) - Marcel hört plötzlich mitten im Satz auf zu reden. Ihm ist etwas aufgefallen.

«Ich glaube, wir stehen hier ziemlich in der Sonne», sagt er. «Und wir sind noch nicht eingecremt.» Das könnte sich in seinem Fall rächen, denn der 26 Jahre alte Hörgerätetechniker aus Frankfurt trägt an diesem Sonntag einen schwarzen Latex-Anzug, der die Gesäßpartie ausspart und somit voller UV-Strahlung aussetzt. Schnell bringt sich Marcel mit seinem Begleiter Jörg in einem schattigen Plätzchen in Sicherheit.

Paradenleiter Jörg Kalitowitsch findet das Wetter «genial». So viele Zuschauer habe die Kölner Christopher-Street-Day-Parade schon lange nicht mehr gehabt, schätzt er. Bestimmt 900 000 Zuschauer, wenn nicht mehr. In den schmalen Straßen der Altstadt drängen sich die Zuschauer wie sonst nur am Rosenmontag. Gerade deshalb wird dem CSD sein politischer Charakter mitunter abgesprochen.

Kalitowitsch meint: «Diese Wahrnehmung ist gerade in diesem Jahr korrigiert worden.» Ursprünglich hatte auch die rechtsextreme Partei Pro Köln mit einem Wagen teilnehmen wollen. «Dass die das schamlos als Plattform ausnutzen wollten, nur um auf sich aufmerksam zu machen, das hat uns alle wachgerüttelt», sagt Jürgen Schäfer (48) vom SC Janus, einem der größten und ältesten schwul-lesbischen Sportvereine. «Wir müssen wachsam sein.»

Unter den Zugteilnehmern findet man wohl niemanden, der meint, dass Schwule und Lesben in Deutschland mittlerweile alles erreicht hätten und die Parade damit überflüssig wäre. «Es gibt zum Beispiel einen Riesenunterschied zwischen Großstadt und Provinz», sagt der 70 Jahre alte Friedhelm. Das kann Sepp (61) aus Garmisch-Partenkirchen nur bestätigen. Sepp ist Mitglied der Schwuhplattler, der «ersten und bisher einzigen schwulen Schuhplattlergruppe der Welt».

In Bayern habe man auf dem Dorf meist nur die Wahl zwischen Fußballverein und Schuhplattler-Verein, erläutert Sepp. «Da die meisten Schwulen eher nicht so gut Fußball spielen können, gehen sie zu den Schuhplattlern.» Das allerdings seien ziemlich konservative Gesellschaften. Deshalb seien 1997 die Schwuhplattler entstanden.

In Köln müssen die Gäste aus Bayern an diesem Tag immer wieder klarstellen, dass sie keine Kostüme tragen, sondern Trachten. Komplett mit Werdenfelser Hut und Adlerflaum aus Putenfeder. «Wir wollen zeigen, dass Schwule auch traditionsbewusst sein können», sagt Uli. Nicht jeder muss Waschbrettbauch und andere Biomasse herzeigen. Alles was die Schwuhplattler an männlicher Anatomie preisgeben, sind die Knie. Haarige Knie. «Jeder nach seiner Vorstellung», sagt Uli. «Schwulsein ist bunt bittschön.»

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