Der Niederländer Chiem van Houweninge war „Hänschen“ in den Schimanski-Filmen mit Götz George. Als langjähriger Partner und Freund erinnert er sich an den großen Schauspieler.

Götz George
Das Foto vom 21.10.1987 zeigt die Schauspieler (v.l.) Götz George, Eberhard Feik und Chiem van Houweninge am Rande der Dreharbeiten zu einer Folge der Krimiserie "Tatort" mit dem Titel "Einzelhaft" in München.

Das Foto vom 21.10.1987 zeigt die Schauspieler (v.l.) Götz George, Eberhard Feik und Chiem van Houweninge am Rande der Dreharbeiten zu einer Folge der Krimiserie "Tatort" mit dem Titel "Einzelhaft" in München.

Istvan Bajzat

Das Foto vom 21.10.1987 zeigt die Schauspieler (v.l.) Götz George, Eberhard Feik und Chiem van Houweninge am Rande der Dreharbeiten zu einer Folge der Krimiserie "Tatort" mit dem Titel "Einzelhaft" in München.

Düsseldorf. Chiem Van Houweninge war „Hänschen“, wo Götz George Horst Schimanski war. Der Niederländer hat George seit 1982 begleitet. Jetzt trauert er um ihn.

Herr van Houweninge, wann haben Sie vom Tod Götz Georges erfahren?

Chiem van Houweninge: Am Sonntagabend, seine Frau Marika hat mich angerufen und die schreckliche Nachricht überbracht. Es war ein Schock.

Wussten Sie von seiner Krankheit?

Van Houweninge: Ich wusste es nicht so genau, ich wusste nur, dass es nicht so gut mit ihm war.

Wann hatten Sie das letzte Mal Kontakt?

Van Houweninge: Am 20. November des vergangenen Jahres, es war mein 75. Geburtstag. Er hat angerufen, wir haben darüber gesprochen, ob wir noch zusammen einen „Schimanski“ machen. Er wollte das gerne. Das war für ihn so wie ein Licht am Ende des Tunnels. Und dann wollte er es etwas später doch nicht mehr. Ich glaube, in dieser Zeit hatte Götz beschlossen, es wirklich sein zu lassen: Da war klar, dass es Schimanski niemals wieder geben wird.

Auch für Sie ein echter Einschnitt.

Der ARD-Film „Schimanski – Loverboy“, gedreht in Duisburg, war im November 2013 die letzte Zusammenarbeit von Chiem van Houweninge (r.) und dem verstorbenen Götz George. Der niederländische Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Schauspieler spielte seit 1982 in 27 Tatort- und zehn Schimanski-Folgen mit.

Van Houweninge: Das ist es. Götz und ich waren sehr befreundet. Wir sind oft in Berlin bei ihm und seiner Frau Marika gewesen, zusammen auch auf Sardinien oder in Hamburg. Oder er war bei uns in Rotterdam oder in der Provence. Die Freundschaft hat immer gehalten.

Haben Sie eine Erinnerung an Ihre erste Begegnung?

Van Houweninge: Das war in München in den Bavaria Studios, da standen Götz und Eberhard Feik, der den Thanner gespielt hat, vor dem Studio, in dem wir gedreht haben. Ich sagte: Hallo, ich bin Chiem van Houweninge, und ich spiele Hänschen. Eberhard und Götz waren gleich sehr freundlich. Wir haben dann die ersten Szenen mit dem Regisseur Hajo Gies gedreht. Und abends haben wir ein sehr gutes Glas Wein getrunken.

Konnte man das gut mit ihm, ein Glas Wein trinken?

Van Houweninge: Ja, Götz hat auch zu Marika gesagt – wie sie mir jetzt erzählte –: Sag Chiem, er soll nicht zu traurig sein. Und er soll ein schönes Glas Rotwein auf mich trinken. Das haben wir an diesem Abend dann auch gemacht.

Was hat er ihnen bedeutet?

Van Houweninge:
Er hatte für mich sehr viel Humor, wir hatten sehr viel Spaß. Und das seit 1982. Hajo Gies wollte damals ein neues Gesicht für den Tatort, nicht die altbekannten deutschen Schauspieler. Und dann hat er mich über meine Agentur ausgewählt. Das hat meine Karriere extrem befördert. „Götz war sehr präzise. Er erwartete das auch von denen, die mit ihm spielten.“

Viele sagen, Götz George war im Umgang nicht immer leicht.

Van Houweninge: Er war natürlich ein großer Schauspieler. Er hatte zu allem seine Meinung. Aber für mich war er eben auch immer sehr ehrlich. Das heißt nicht, dass er immer Recht hatte. Wir haben sehr viel geredet, auch mit dem Regisseur. Götz war sehr präzise, er erwartete das auch von denen, die mit ihm spielten. Wenn Journalisten ihn anfragten, während er arbeitete, wollte er das nie. Dann wird schnell gesagt: Der ist mürrisch. Aber er war eben Profi. Er hat auch schon mal zum Regisseur gesagt: So machen wir das nicht. Das war nicht immer einfach, aber meistens hatte er Recht. Wir hatten auch mal Streit, wenn ich das Buch geschrieben habe und er Dinge ändern wollte, weil er viele Ideen hatte. Wir sind aber immer zurecht gekommen, weil ich wusste, wo ich Kompromisse machen konnte und wo nicht. Das hat er akzeptiert. Einen großen Streit gab es nie.

Erinnern Sie sich an bestimmte Szenen?

Van Houweninge: Wir wollten eine Durchsuchung in einem niederländischen Haus machen. Der holländische Kommissar sagte, es sei keine gute Idee, wenn zwei deutsche Kommissare ein holländisches Haus durchsuchen. In der Kneipe sagt Schimanski zu mir: ,Was für ein Scheißland.’ Und ich antwortete: ,Ja, ich habe auch nie verstanden, warum die Deutschen dieses Land unbedingt besetzen wollten!’ Das war damals mutig vom WDR.

Solche Anspielungen waren oft Gegenstand Ihrer Bücher.

Van Houweninge: Ja, Thanner hat mich auch immer ,Tulpenzwiebel’ genannt. Ich sagte: ,Ja, das ist klar, das haben wir 1944 hier alle gegessen.’

War George dafür empfänglich? Seinem Vater Heinrich George wurde ja durchaus Nähe zur Nazi-Propaganda nachgesagt.

Van Houweninge: Das kann man leicht sagen. Heinrich George war einer der großen Schauspieler und damals Direktor des Schillertheaters. Er musste Hitler und Göring empfangen in dieser Position. Ich habe oft mit Götz darüber gesprochen: Klar ist: Heinrich George war nie ein politischer Mensch.

Wenn Sie Götz George in drei Worten beschreiben?

Van Houweninge: Ehrlich, loyal, ein guter Freund.

Wie halten Sie die Erinnerung wach?

Van Houweninge: Ich habe so viele Erinnerungen, auch die Videos unserer Filme. Und wir sind gut befreundet mit Götz’ Frau. Auch mit Hajo Gies und dem Produzenten Jan Fantl. Wir sind die letzten Drei der Urbesetzung. Eberhard Feik ist ja schon vor langer Zeit gestorben. Wir wollen bald zusammenkommen, dann werden wir viel über Götz reden.

Passt dieser stille Abgang zu Götz George?

Van Houweninge: Ja, das war sein Wunsch. Er wollte es nicht anders. Und wenn Sie mich fragen: Das haben sie sehr gut gemacht.

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