«Glee»
Darsteller der TV-Show «Glee» in Washington.

Darsteller der TV-Show «Glee» in Washington.

dpa

Darsteller der TV-Show «Glee» in Washington.

Berlin (dpa) - Alle paar Monate preist ein Fernsehsender die nächste große Erfolgsserie aus den USA an. Nur wenige davon werden jedoch von Kritikern gefeiert. Noch weniger sind auch ein Publikumserfolg.

«Glee» ist in jeder Hinsicht anders und stellt damit Kult-Serien wie «30 Rock», «Mad Men» oder «Breaking Bad» in den Schatten. Ausgerechnet eine Musical-Serie über einen Showchor voller Außenseiter an einer High School in Ohio ist in den USA auf Anhieb zur derzeit erfolgreichsten Fernsehserie geworden.

Jetzt schwappt das «Glee»-Fieber nach Deutschland. Das zumindest hofft Super RTL, wo die Mischung aus Musical und Comedy am Montag (20.15 Uhr) mit einer Doppelfolge startet - zuvor gibt es die Pilotfolge am Sonntag (14.40 Uhr) auch beim großen Senderbruder RTL zu sehen.

Jede Serie kriegt den Sender, den sie verdient, könnte man sagen, denn die Geschichte von «Glee» über Underdogs im Kampf um Anerkennung und Aufstieg - sie passt auch zu dem kleinen Kölner Fernsehsender Super RTL, der sich auf Kinder- und Jugend-TV spezialisiert hat. Dort hofft man, dass die Nummer eins aus den USA den Sender nachhaltig beflügeln könnte. Dazu passt die Hymne der Serie: «Don't stop believing» - Hör nicht auf, zu glauben.

Festen Glauben braucht auch Spanisch-Lehrer Will Schuester, gespielt vom Broadway-erfahrenen Matthew Morrison, der in «Glee» den Versuch wagt, an seiner Schule einen neuen Showchor zu gründen. Das Problem dabei: Gerade mal ein paar Schüler interessieren sich dafür. Und die sind für eine Kleinstadt in Ohio entweder zu schwul, zu dick, zu eingebildet oder sitzen im Rollstuhl. An der McKinley High School sind all das beste Voraussetzungen, um gemobbt zu werden. Dass der Schulchor ihrem Außenseiter-Status zunächst die Krone aufsetzt, bringt sie jedoch nicht ab von ihrem Traum von Ruhm und Anerkennung.

Und die Fernsehzuschauer fiebern mit - im Schnitt schauten knapp zehn Millionen Menschen die erste Staffel beim US-Sender Fox. Die zweite Staffel läuft gerade, eine dritte wird geplant. Auch die Kritiker jubeln: Zu den wichtigsten Preisen, die die Serie bereits abräumen konnte, gehören ein Golden Globe und mehrere Emmys.

Es sind aber sicher nicht die schon oft erzählten Geschichten von Außenseitern an einer High School, die «Glee» zu einem der großen Serienerfolge der vergangenen Jahre machen. Es ist die erfrischende Inszenierung: Die Musical-Serie ist eine Hit-Maschine, wie sie die Musikindustrie lange nicht mehr erlebt hat. In jeder Folge interpretiert das sehr junge Ensemble der Serie gekonnt bekannte Songs der letzten Jahrzehnte auf eigene Art - und stürmt damit in die Hitparade. Mit 75 Songs in den «Billboard Hot 100»-Charts der USA binnen eines Jahres zog «Glee» damit sogar an den Beatles vorbei. Viele große Stars der Musikszene unterstützen die Serie. Aus gutem Grund, wie «Glee»-Produzent Ryan Murphy («Nip/Tuck») am Rande der Dreharbeiten erklärt: «Wir machen ihre Musik noch einmal einer neuen Generation zugänglich.»

Dabei meistert die Serie auch dank hervorragend besetzter Nebenrollen wie etwa Jane Lynch als zynische Sportlehrerin mit Faible für Trainingsanzug und Megafon, die Gratwanderung zwischen guter und seichter Unterhaltung. «Die Serie spricht wichtige Themen wie Mobbing, Teenager-Schwangerschaften oder Homosexualität an. Alles Themen, die gerade in Schulen thematisiert werden sollten», sagt Cory Monteith, der bei «Glee» den coolen Quarterback Finn Hudson spielt. «Der Humor der Serie», ergänzt Produzent Murphy, «hilft einfach dabei, die Themen verdaulich zu machen.»

Parallel zur aktuellen Debatte um eine Reihe von Selbstmorden homosexueller Jugendlicher in den USA, hat «Glee» dem Thema beispielsweise eine ganze Folge gewidmet. Und «Glee»-Club-Mitglied Kurt Hummel, gespielt von Chris Colfer, ist zur Identifikationsfigur vieler schwuler Teenager geworden. «Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass meine Rolle mal solche Bedeutung und Verantwortung mit sich bringen könnte», sagt der selbst gerade erst 20-jährige Colfer. Deshalb ist es für ihn wichtig, dass seine Rolle authentisch wirkt. «Das Fernsehen braucht nicht noch eine schwule Witzfigur.» Gelacht werden darf trotzdem. Nicht über sondern mit den jungen Schauspielern, denen man den Spaß bei der Arbeit ansieht.

Im vergangenen Jahr ging das Ensemble der Serie nach dem spektakulären Quotenerfolg der ersten Staffel auf Live-Tour durch die USA. Im Sommer 2011 wird alles eine Nummer größer: Jetzt steht eine Welt-Tournee auf dem Programm.

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