Mathieu Carrière
Mathieu Carrière geht in den Dschungel.

Mathieu Carrière geht in den Dschungel.

dpa

Mathieu Carrière geht in den Dschungel.

Berlin (dpa) - Die Menschen, Kakerlaken und Skorpione in Nordostaustralien müssen in diesen Tagen sehr stark sein.

Nicht nur die verheerenden Überschwemmungen haben dem Land sehr zugesetzt, jetzt schickt auch noch der deutsche Privatsender RTL elf mehr oder minder bekannte Prominente in sein Dschungelcamp und stört die himmlische Ruhe im Regenwald spätestens dann, wenn einer der Teilnehmer den markerschütternden Schrei vom Stapel lassen muss: «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!»

An diesem Freitag geht es wieder los: Zwei Wochen am Stück, immer abends um 22.15 Uhr, zeigt RTL seine Dschungelshow mit Sonja Zietlow und Dirk Bach als penetrant schadenfrohem Moderatorenduo und mit elf Lagerinsassen, die um den fragwürdigen Titel «Dschungelkönig» kämpfen werden. Im vergangenen Jahr hatte die Show ausgesetzt, offiziell, weil RTL hinreichend Shows in seinem Programm hatte und sich außerdem auf die Fußball-WM vorbereiten musste. Inoffiziell, weil es an Geld fehlte.

Die Inszenierung des grünen Spektakels auf ausgetretenen Pfaden, auf denen sich die TV-Sender aus aller Herren Länder für die Produktionen ihrer eigenen Version der Show die Klinke in die Tür geben, ist RTL im Vorfeld der Ausstrahlung einmal mehr gelungen. Die Spekulationen, ob das künstliche Abenteuer nicht vielleicht wegen der Hochwasserlage ausfallen müsste, waren zwar nicht gewollt, aber spielten dem Sender in die Karten. Sicherlich gewollt war aber, dass die Boulevardpresse gierig über jeden Kandidaten herfiel, von dem bekanntwurde, dass er nach Australien fliegen sollte.

Zur Inszenierung gehörte auch das Ritual, dass RTL bei jedem durchgesickerten Namen fast in politischer Rhetorik darauf hinwies: «Wir kommentieren nichts.» Am meisten machte der nominierte Alt- Kommunarde Rainer Langhans von sich reden, dem das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sogar in der jüngsten Ausgabe eine ganze Geschichte widmete. Auch der langhaarige 70-Jährige hält sich streng an die PR- Regeln des 21. Jahrhunderts, verrät nichts über den Dschungelausflug, aber sagt an die Adresse deutscher TV-Macher gerichtet, weil er nie zum 40. Jahrestag der Studentenrevolte im TV war: «Ich wurde in keine einzige TV-Show eingeladen. Das hat mich schon gewundert.»

«Wenn wir nicht miteinander reden, gibt es Krieg», philosophiert Langhans, der angeblich 50 000 Euro für seine Teilnahme bekommt, weiter. «Kommunikation ist Liebe.» Ob solche Mails an ihn auch etwas mit Liebe zu tun haben?: «Kannst gleich im Dschungel bleiben und die 50 000 mit den Ratten teilen. Für Geld fresst ihr alle eure eigene Kacke.» Oder: «Hoffe, Ihnen beißt ein Skorpion in die Eier.» Bernd Rabehl, auch Alt-68er, schimpfte im «Spiegel»: «Die Kommune hat die Medien vorgeführt. Jetzt führen die Medien Langhans vor. Er jagt seinem eigenen Schatten hinterher, muss sich verkaufen wie eine alte Prostituierte.» Für Langhans ist das Camp nun eine «Kommune auf Zeit», wie er RTL sagte.

Langhans wähnt sich im Dschungelcamp in bester Gesellschaft: Neben ihm wird Eva Jacob, mit 67 Jahren die jüngste der drei noch lebenden Jacob Sisters, die gefürchteten Dschungelprüfungen absolvieren - aber ohne lebenden Pudel, dafür mit Stofftier. Dazu kommen das Model Gitta Saxx (45), Schauspielerin Katy Karrenbauer (48), Sängerin Indira (31), Model Sarah Knappik (24), Sänger Jay Khan (28), Schwimmer Thomas Rupprath (33), Schauspieler Mathieu Carrière (60), Wedding- Planner Frank Matthée (42) und Moderator Peer Kusmagk (35). Natürlich ist wieder der populäre Dr. Bob dabei, wenn die Ekelprüfungen anstehen.

Einer der Dschungeltouristen wird der Nachfolger von Ingrid van Bergen werden, die 2009 von den Zuschauern zur «Dschungelkönigin» gekürt wurde. Davor durften sich Sänger Costa Cordalis, Entertainerin Désirée Nick und Ex-Bro'Sis-Sänger Ross Antony mit dem Titel schmücken. Die bislang erfolgreichste Staffel war die erste im Jahr 2004, die pro Folge 6,98 Millionen Zuschauer sahen, die schwächste war die dritte im Jahr 2008 mit 4,89 Millionen. Dass dieses Mal der Trend nach oben geht, könnte durchaus sein, denn mit seinen TV-Shows hat RTL derzeit ein glückliches Händchen.

Leserkommentare (4)


() Registrierte Nutzer