Kleidung und Mode wohnt neben dem praktischen Nutzen schon seit jeher eine weitere Funktion inne: Der Wunsch, nicht mit der Masse zu schwimmen, sondern mit seiner Kleidung gleichzeitig seine Persönlichkeit und Individualität auszudrücken. War Kleidung früher ein Zeichen des gesellschaftlichen Standes oder der Region, aus der man kam, so ist sie heute mehr denn je Ausdruck unserer selbst oder zumindest dessen, was wir anderen von uns erzählen möchten. Viele nähen inzwischen Teile ihrer Kleidung selbst. Mit der Entwicklung der Nähmaschine wurde dies zunehmend einfacher. Als Beispiel für eine lange Tradition im Textilgewerbe ist die kreisfreie Stadt Krefeld zu nennen. In Nordrhein-Westfalen gelegen, wird sie wegen ihrer Seidenstoffproduktion im 18. und 19. Jahrhundert auch als Samt- und Seidenstadt bezeichnet. Bis heute kann man die Zeugnisse und Geschichte dieser Zeit im Textilmuseum Krefeld erleben. Wechselnde Ausstellungen zeigen die schöpferische Vielfalt, die im Textilbereich möglich ist. Es ist schwer in Zahlen fest zuhalten, wie viele Menschen in letzter Zeit das Nähen und Handarbeiten wieder für sich entdeckt haben. Allerdings ist ein deutlicher Trend erkennbar, so gibt es vermehrt Events rund um das Thema Handarbeiten, und auch Kinder werden an diese Materie herangeführt. Auf dem Nettetaler Ladyzday im Oktober beispielsweise hatten interessierte Mädchen Gelegenheit, ganz in Ruhe das Nähen zu erlernen. Dass Mode und Nähen nicht nur etwas für Frauen ist, zeigt dagegen der Modemacher Sanjey. Der 32-jährige Jungdesigner aus Krefeld stellte in diesem Jahr seine neue Kollektion auf der Krefelder Fashionworld vor. Seit seinem Abschluss an der Kurt-Tucholsky Gesamtschule arbeitete er daran, seinen Traum zu verwirklichen und in der Modebranche zu arbeiten. Dafür absolvierte er zunächst eine Ausbildung als Textilmuster-Gestalter. Nach einem kleinen Umweg in den Einzelhandel hat es er nun geschafft. Die Samt- und Seidestadt Krefeld ist dabei seinen Aussagen zufolge genau der richtige Ort für ihn. Die langjährige Tradition der Stadt inspiriert ihn, und er verwendet in seiner Kollektion nur zu gerne fair produzierte Seide. Doch jeder Modedesigner muss einmal klein anfangen, ähnlich wie die Mädchen auf dem Ladyz Day. Wen das Nähfieber gepackt hat, der sollte sich zunächst eine solide Nähmaschine zulegen. Traditionsfirmen wie W6 Wertarbeit stellen bis heute verschiedenste Modelle für alle Bedürfnisse her. Dass sie Wert auf Qualität und Tradition legen, wird unter anderem daran deutlich, dass sich auf ihrer Webseite neben den verschiedenen Modellen auch viele Tipps und Tricks zum Thema Nähen und ein interessanter Abriss zur Geschichte der Nähmaschinen findet. Hat man die richtige Nähmaschine gefunden, kann es mit der Kreation eigener Stücke losgehen. Anfänger können sich idealerweise an Schals oder Oberteilen versuchen. Inspiration finden sich überall im Internet, sowohl auf Plattformen wie Pinterest, als auch in den Online-Varianten von Modemagazinen wie Myself, und letztlich natürlich auf den zahlreichen Fashion-Blogs. Auch die Plattform DaWanda, auf der Kreative ihre Stücke unkompliziert präsentieren und verkaufen können, boomt. Das Unternehmen, welches 2006 ins Leben gerufen wurde, verzeichnet inzwischen über 3,4 Millionen Mitglieder, und über 230.000 Hersteller präsentieren ihre Stücke. Das Ganze wird von 150 Mitarbeitern aus 15 Nationen koordiniert, und so spricht der Erfolg dieser Plattform wohl auch für den neuen Trend, Dinge selbst zu kreieren, sei es mit der Nähmaschine oder auf andere kreative Art und Weise.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer