'Deutschland sucht den Superstar'
Dieter Bohlen macht weiter. Foto: Ulrich Perrey

Dieter Bohlen macht weiter. Foto: Ulrich Perrey

dpa

Dieter Bohlen macht weiter. Foto: Ulrich Perrey

Berlin (dpa) - Dieter Bohlen, der Pop-Titan, Dieter Bohlen der Chefjuror mit den beinharten Sprüchen und dem Bestimmer-Monopol.

Über viele Jahre - seit 2003 - hat der 57-jährige Norddeutsche mit dem sicheren Blick für Sängertalente und dem Riecher für den dicken Umsatz die jährliche RTL-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) geprägt und wird dies auch von diesem Samstag (20.15 Uhr) an in einem neuen Durchgang auf seine typische Art und Weise erledigen.

Doch nicht alles ist so wie sonst. Denn nach etlichen vergeblichen oder mäßigen Versuchen hat die Senderkonkurrenz plötzlich ein Format aus dem Hut gezaubert, das erstmals am Nimbus von DSDS kratzt: «The Voice of Germany», alternierend bei ProSieben und Sat.1 auf dem Bildschirm, hat für das in München ansässige Sendersystem völlig neue Zuschauerkreise erschlossen, die möglicherweise dem Platzhirsch DSDS abschwören und vollständig zur Konkurrenz überlaufen könnten.

Doch können knapp fünf Millionen Zuschauer pro Folge von «The Voice of Germany» den Marktführer beeindrucken? «DSDS ist seit acht Staffeln ein Erfolg mit bis jetzt zwölf Millionen verkauften Tonträgern, 20 Gold- und zehn Platinauszeichnungen sowie Rekordeinschaltquoten», sagte Unterhaltungschef Tom Sänger der Nachrichtenagentur dpa. «Die letzte Staffel sahen durchschnittlich 6,38 Millionen Zuschauer, und der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen betrug hervorragende 32,4 Prozent. Wir werden sehen, ob "The Voice" dieses erreicht und das auch auf so lange Zeit.» Das klingt schon ein wenig trotzig.

Doch auf die bewährten Rituale kann sich RTL nicht einfach verlassen. Wie sehr «The Voice of Germany» das gemütlich gewordene Gefüge durchbrochen hat, musste die andere RTL-Erfolgsshow mit Bohlen als Oberjuror, «Das Supertalent», kürzlich erleben. Denn der Casting-Novize «The Voice» setzte sich zum Start beim werberelevanten Publikum zwischen 14 und 49 Jahren am 24. November sogar mit 23,8 Prozent Marktanteil im direkten Vergleich gegen «Das Supertalent» (22,8 Prozent) durch. Und dabei hatte RTL extra sein Zugpferd auf jenen Donnerstag platziert, um «The Voice of Germany» den Start zu vermiesen. Geholt hat sich RTL dabei eine blutige Nase, von der sich «Das Supertalent» bis zum Finale nicht ganz erholte.

DSDS und «The Voice of Germany» (Finale am 10. Februar) werden sich zwar terminlich aus dem Weg gehen - die RTL-Show läuft samstags, Sat.1 zeigt die «Voice»-Live-Shows jeweils freitags -, aber die öffentliche Aufmerksamkeit teilen müssen, was zumindest für DSDS ungewohnt ist. Tom Sänger zelebriert aber Optimismus - was hat denn DSDS in der neunten Staffel zu bieten? «Auf jeden Fall die neue Jury, die extrem unterhaltsam und kompetent ist», sagt er. «Zudem bietet die Staffel tolle Stimmen, große Emotionen, gute Unterhaltung und einzigartige Persönlichkeiten. So unterschiedlich waren die Kandidaten noch nie, und letztlich machen diese jede Staffel auf ihre Weise einzigartig.»

Neben Bohlen sitzen sein ehemaliger «Supertalent»-Weggefährte Bruce Darnell und die Cascada-Frontfrau Natalie Horler in der Jury. Mehr als 35 000 Kandidaten sangen in 35 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor - so viele wie noch nie. Dem Sieger des wochenlangen Wettbewerbs winkt ein Vertrag mit der Plattenfirma Universal und eine Gewinnsumme von 500 000 Euro - auch das ist neu, auch um den Anreiz zu erhöhen und das TV-Format attraktiver und relevanter zu machen.

Nicht ändern wird sich aller Voraussicht nach Sprücheklopfer Bohlen, von dem RTL schon vor dem Start der Castingfolgen einige Kostproben seiner kernig-kritischen Kandidatenbewertungen zum Besten gegeben hat: «Wir suchen einen Vulkanausbruch und keine Furzfontänen», sagt er den hoffnungsvollen Talenten. Dazu dann noch: «Du hast weniger Töne getroffen, als ein peruanischer Nackthund Haare am Arsch hat» oder auch «Du hörst dich an wie eine Qualle im Baldriantee, die um ihr Leben paddelt».

Vielleicht sind auch solche Aussagen der Grund, warum sich viele Zuschauer für «The Voice of Germany» interessieren. Und weitere Konkurrenz lauert schon: Am 12. Januar starten ARD und ProSieben das gemeinsame Eurovisions-Casting «Unser Star für Baku».

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