Der Atem des Himmels
Die Kinder der Dorfgemeinde (unbekannte Kleindarsteller) genießen die weihnachtliche Messe. Foto: ZDF /Christian Schramm

Die Kinder der Dorfgemeinde (unbekannte Kleindarsteller) genießen die weihnachtliche Messe. Foto: ZDF /Christian Schramm

dpa

Die Kinder der Dorfgemeinde (unbekannte Kleindarsteller) genießen die weihnachtliche Messe. Foto: ZDF /Christian Schramm

Hamburg (dpa) - Die österreichischen Alpen im Januar 1954. Auf die Ortschaft Blons gehen in zwei Tagen 13 Lawinen herunter, 57 Menschen sterben. Nicht weit davon entfernt ist ein kleiner Junge so schockiert, dass er die Bilder nie mehr vergessen wird.

«Wie meine Mutter bei uns daheim verzweifelt umherlief, weil doch Freunde und Bekannte von uns betroffen waren, wie die Leichen gestapelt wurden wie Holzstücke, wie ein ganzer Ort verschüttet wurde», erzählt er Jahrzehnte später. Reinhold Bilgeri, heute Rockmusiker und Drehbuchautor, war dieser Junge.

Als Erwachsener entschied er: Das muss ein Film werden. Und aus dem Drehbuch wurde dann sogar ein Roman - ein Bestseller mit dem Titel «Der Atem des Himmels». Produzenten bewarben sich um die Filmrechte, große Star-Namen wurden für die weibliche Hauptrolle genannt. Aber für Bilgeri kam nur eine Besetzung infrage, seine Frau Beatrice Bilgeri. Nur sie sollte die frisch ins Dorf gezogene Lehrerin Erna von Gaderthurn spielen, die schon bald zwischen zwei Männer gerät - also praktisch ihre Schwiegermutter.

«Im Original eine sehr aristokratische, sehr konservative Dame, tiefreligiös. Ich konnte der Gestalt etwas von mir selbst mitgeben, das mehr Freche, Kecke», meint sie mit einem Lachen im dpa-Interview. Gerd Böckmann spielt den leicht fiesen, aber charmanten Baron, der Lawinenschutz für überflüssig hält; Jaron Löwenberg den hellsichtigen Idealisten Eugenio, der die Katastrophe kommen sieht. Im Film entscheidet sich Erna für ihn, privat ist sich Beatrice Bilgeri nicht so sicher, ob sie als Erna nicht doch eher den Verführungskünsten des schillernden Barons erliegen würde.

Die Regie lag in den Händen von Reinhold Bilgeri selbst. Und Produzent war er gleich auch noch - weil er schließlich diesen Herzensstoff einfach nicht fremden Händen überlassen wollte. Dafür mussten allerdings runde vier Millionen Euro aufgetrieben werden. Bilgeri warb Sponsoren und Investoren an, nahm einen Kredit auf sein Haus auf: «Unsere Tochter Laura fragte schon mal: "Müssen wir bald unter den Brücken schlafen?" Und fast sah es schon so aus.»

Rettender Engel, neben dem österreichischen und dem Schweizer Fernsehen wurde das ZDF, wo nun «Der Atem des Himmels» am 6. Januar um 22.30 Uhr läuft. Auch eine erste Kino-Auswertung brachte gute Einnahmen: «Allmählich kommen wir tatsächlich in die schwarzen Zahlen», bilanziert Bilgeri. Umso entspannter kann er sich dem fertigen Film zuwenden: «Atmosphärisch ist er recht genau das, was ich mir schon bei der Bucharbeit vorstellte.»

Eindrucksvoller Höhepunkt sind natürlich die virtuos ineinander geschnittenen Lawinenszenen, «eine Mischung aus Computer-Animationen, Archiv-Aufnahmen und an ungefährlicher Stelle künstlich gesprengten Lawinen.» Die mit Lawinenpiepsern ausgestatteten Schauspieler, erinnert sich seine Frau, haben bei diesen Szenen denn doch ein bisschen gebibbert.

Eine besonders aufmerksame Betrachterin des Films: Bilgeris bald hundertjährige Mutter, die Erna von damals. Doch, sie war mit allem ganz einverstanden. Nur bei einer freizügigeren Bettszene hatte sie tadelnd den Kopf geschüttelt: «Bua, hat does sei müsse?»

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