Vincent Raven
Vincent Raven vor dem Abflug ins Camp. Foto: Frank Rumpenhorst

Vincent Raven vor dem Abflug ins Camp. Foto: Frank Rumpenhorst

dpa

Vincent Raven vor dem Abflug ins Camp. Foto: Frank Rumpenhorst

Berlin (dpa) - «I feel good»: Schauspielerin Brigitte Nielsen stürzt sich nach zwei Wochen Reis und Bohnen, Pritschenlager und Dauerregen enthusiastisch in die Dschungelprüfung.

Zwischen Schlangen, Riesenkrabben oder grünen Ameisen fischt sie vier von fünf Sternen aus einem Flugzeugwrack. «Dieser Stern ist für die Zuschauer», ruft die 48-Jährige zwischendurch und reißt ihren Arm mit dem roten Stern in der Hand in die Luft.

Schon vor Beginn der sechsten Staffel der RTL-Sendung «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» galt das dänische Ex-Model bei vielen als Favoritin. Auch am Freitagmorgen (Ortszeit) sagte Moderator Dirk Bach: «Wir haben Zauberer, Schauspieler und Stripper im Camp. Und wer schmeißt die Show? Die dänische Oma.»

In der am Donnerstagabend ausgestrahlten Sendung waren die Zuschauer den Bitten von Zauberkünstler Vincent Raven nachgekommen und hatten ihn per Telefonabstimmung aus dem Camp gewählt. Danach konkurrierten mit Nielsen noch Nacktmodell Micaela Schäfer (28), Sängerin Kim Debkowski (19) und Schauspieler Rocco Stark (25) am Freitag um den Einzug ins Finale, in dem der «Dschungelkönig» gekürt wird. Der amtierende aus dem Jahr 2011, Moderator Peer Kusmagk, beschrieb den Job als «Mischung aus Karnevalsprinz und Bundespräsident». Im Interview mit «n-tv.de» erzählte er: «Einerseits wurde ich teilweise tatsächlich hofiert wie ein König. Anderseits weiß man ja, dass es nur eine Plastikkrone ist, die man da für eine gewisse Zeit aufhat, und es im Endeffekt nichts zu regieren gibt.»

So erfolgreich wie im vergangenen Jahr ist diese Staffel nicht. Zwar pendelt sich die Einschaltquote bei über sechs Millionen Zuschauern ein, auch am Donnerstagabend schalteten 6,49 Millionen Menschen ein. 2011 lag die Durchschnittsquote allerdings mit 7,62 Millionen Zuschauern auf Rekordniveau. Dennoch scheint sich die Show etabliert und eine feste Fangemeinde gewonnen zu haben.

Auf der anderen Seite ist der Kreis der Kritiker weitgehend verstummt. Bei der ersten Ausstrahlung in Deutschland im Jahr 2004 wurde die «Ekel-Show» noch zerrissen. Heute serviert der Kölner Privatsender anstelle des traditionellen Känguruhodens bei den Dschungelprüfungen Buschschweinvagina, Buschhirschpenis und Buschschweinsperma - und kaum einer beschwert sich. Erstmals sind angriffslustige Krokodile lebendiger Teil der Show und nicht mehr tot und gestückelt für den Kochtopf. «Ethische Grenzen werden überhaupt nicht mehr thematisiert», sagt Medienforscherin Joan Kristin Bleicher vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg. Die Professorin vermutet, dass die Kritiker mit der Zeit resignieren. «Und bei den Fans geht es jetzt um Schadenfreude statt um Ekel.»

Kein Vergleich zur letzten Staffel boten diesmal auch die Kandidaten. Schauspieler Matthieu Carrière flehte 2011 Model Sarah Knappik auf Knien an, das Camp zu verlassen. Diese warf Sänger Jay Khan vor, die Liebe zu Mitcamperin Indira Weis sei nur inszeniert. Und 2012? Moderatorin Ramona Leiß rastete hin und wieder mal aus, ging den anderen Promis auf die Nerven - und flog dann aber auch rasch raus. An Micaelas nackte Brüste hat sich Fernsehdeutschland ziemlich schnell gewöhnt. Und da immer mal wieder ein Star ankündigt, das Camp freiwillig zu verlassen - und dann doch einen Rückzieher macht - geht selbst RTL dazu über, das Wetter zum Gesprächsthema zu machen.

Dauerregen überflutete das Camp. Schlimmer als 2011. Immer mal wieder sprachen Bach und Kollegin Sonja Zietlow über eine Evakuierung des Lagers. Doch am Ende ging es wie gewohnt weiter.

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