Schlangestehen für dei Lotterie
Für den "Dicken" stehen die Spanier gerne Schlange. Foto: Emilio Naranjo

Für den "Dicken" stehen die Spanier gerne Schlange. Foto: Emilio Naranjo

dpa

Für den "Dicken" stehen die Spanier gerne Schlange. Foto: Emilio Naranjo

Madrid (dpa) - Die Spanier müssen in Zeiten der Wirtschaftskrise den Gürtel enger schnallen, nur «der Dicke» wird noch dicker.

«El Gordo» (der Dicke), wie der Hauptgewinn bei der spanischen Weihnachtslotterie genannt wird, wurde für die diesjährige Ziehung um eine Million auf jeweils vier Millionen Euro aufgestockt. Diese Summe wird an diesem Donnerstag bei der größten Lotterie der Welt 180 mal ausgeschüttet, denn jede Losnummer wurde 180 mal verkauft.

Insgesamt werden bei der traditionellen Ziehung Gewinne von über 2,5 Milliarden Euro verteilt. Viele Spanier, die unter einer stagnierenden Wirtschaft und einer Arbeitslosenquote von über 21 Prozent zu leiden haben, werden eine vorzeitige Bescherung erleben.

Die zweite Gewinnklasse wurde um 250 000 Euro auf jeweils 1,25 Millionen Euro erhöht. Die Änderungen haben allerdings eine Kehrseite: Die Lostrommel, aus der die Glückszahlen gezogen werden, enthält mehr Kugeln als bisher, 100 000 anstelle von 85 000. Damit sinken die Gewinnchancen. Die Wahrscheinlichkeit, den «Gordo» zu bekommen, beträgt nun 1:100 000. Sie ist aber nach wie vor höher als bei fast allen anderen Lotterien. Die Chancen, überhaupt etwas zu gewinnen, betragen nach Berechnungen von Mathematikern 5,3 Prozent. Bisher waren es 5,7 Prozent.

Die Spanier gelten als die «Könige» des Glücksspiels. Sie gaben für Lotterien, das Spiel mit Geldautomaten oder Kasino-Besuche im vorigen Jahr über 27 Milliarden Euro aus. In der Krise ist die Versuchung besonders groß. So mancher Spanier, der seinen Job verloren oder die Hypothek für die Wohnung nicht zahlen kann, träumt vom Losglück. Aber das Kalkül, dass in Krisenzeiten der Absatz der Lose steigt, geht nicht auf. «Dies hat sich als ein Mythos erwiesen», sagte Marcelo Ruiz von der staatlichen Lotteriegesellschaft LAE.

«Es kaufen in diesem Jahr mehr Leute Lose, aber sie setzen weniger Geld ein», berichtete eine Losverkäuferin in Madrid. Die Zeiten, in denen die Einsätze von Jahr zu Jahr stiegen, sind längst vorbei. 2010 ging der Absatz gar um acht Prozent zurück. Da ein ganzes Los 200 Euro kostet, kaufen die Spanier in der Regel ohnehin nur Zehntellose, für die es dann auch nur ein Zehntel der jeweiligen Gewinnsumme gibt.

Der größte Gewinner steht schon vor der Ziehung fest: das Finanzamt. Der Fiskus bekommt 25 Prozent der Einsätze. Obendrein erhält er all die Gewinne, die auf nicht verkaufte Lose entfallen; denn die übriggebliebenen Lose gehen an den Staat zurück. Die Regierung hatte die Lotterie in diesem Jahr teilweise privatisieren wollen, das Vorhaben scheiterte jedoch.

Bei der Ziehung kommen zwei Trommeln zum Einsatz. Aus der einen werden die Glückszahlen gezogenen, aus der anderen die jeweils fälligen Gewinnsummen. Die Glücksnummern werden nicht schnöde verlesen, sondern von Kindern aus einer Internatsschule vorgesungen. Die Prozedur zieht sich über drei Stunden hin.

Die Weihnachtslotterie ist nicht nur die größte, sondern auch die älteste Lotterie der Welt. Im kommenden Jahr wird sie ihr 200-jähriges Bestehen feiern. Sie wird in der heutigen Form seit 1812 ausgespielt. Den Namen «Weihnachtslotterie» erhielt sie 1892. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1763 zurück.

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