Adam Szymczyk
Adam Szymczyk ist Kurator der nächsten documenta in Kassel. Foto: Arne Dedert

Adam Szymczyk ist Kurator der nächsten documenta in Kassel. Foto: Arne Dedert

dpa

Adam Szymczyk ist Kurator der nächsten documenta in Kassel. Foto: Arne Dedert

Berlin (dpa) - Das Ausstellungsjahr 2017 steht im Zeichen der documenta und des Reformationsjubiläums. Daneben gibt es aber auch leichtere Kost - und einige wirklich überraschende Ideen.

KASSEL: Für 100 Tage ist Kassel ab 10. Juni wieder das Zentrum der Kunstwelt. In der hessischen Stadt startet zum 14. Mal die wichtigste Schau zeitgenössischer Kunst. Zu den Schauplätzen gehört neben dem Fridericianum und der Neuen Galerie auch die strukturschwache Kasseler Nordstadt. Zudem wird die documenta erstmals in ihrer 60-jährigen Geschichte nicht ausschließlich in Kassel stattfinden, sondern auch in Athen. Diese von documenta-Chef Adam Szymczyk bestimmte Aufspaltung ist in Kassel nicht nur auf Begeisterung gestoßen. Nun muss sich zeigen, ob das neue Konzept Sinn macht.

WITTENBERG: 500 Jahre nach dem Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche ist die Lutherstadt ab 13. Mai Schauplatz einer großen Ausstellung mit über 1000 Originalexponaten rund um den Reformator. Darunter sind seine Predigtkanzel, seine Mönchskutte und der Brief, den er am 31. Oktober 1517 an seinen geistlichen Vorgesetzten, Kardinal Albrecht von Brandenburg, schrieb. Altarbilder und Gemälde von Lucas Cranach sind weitere Höhepunkte. Passender Ort für die Schau ist das Augusteum, eines der am besten erhaltenen Universitätsgebäude aus dem 16. Jahrhundert.

FRANKFURT: Er malte im heimischen Wohnzimmer, «von Tisch, Tür und Ofen eingezwängt», aber ohne je auch nur auf den Teppich zu tropfen. René Magritte (1898-1967) war ein ordentlicher Mensch. Sorgfältig ging der belgische Surrealist auch bei der intellektuellen Untermauerung seiner hochkomplexen Rätselbilder vor. Die Schau «Magritte - der Verrat der Bilder» will diese Ideenwelt ergründen. Die ehrgeizige Ausstellung vom 10. Februar bis zum 5. Juni in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt wurde gemeinsam mit dem Centre Pompidou in Paris entwickelt.

BONN: Die größte Comic- und Manga-Ausstellung, die es je in Deutschland gegeben hat - das verspricht die Bundeskunsthalle für die Zeit vom 7. Mai bis zum 10. September. Die Comic-Geschichte reicht von täglichen Kurzepisoden in amerikanischen Zeitungen im 19. Jahrhundert über die Superhelden der 1930er Jahre und den Franzosen Asterix bis hin zu Graphic Novels und Manga. Die Bundeskunsthalle in Bonn - eine der besucherstärksten deutschen Ausstellungsstätten - hat sich in den vergangenen Jahren mit jungen Themen neue Zielgruppen erschlossen.

WIEN: Das Belvedere in Wien ist ein Tempel der Hochkultur, bringt nun aber mal etwas anderes: «Vulgär?» lautet der Titel einer Ausstellung ab 3. März. Die Schau beschäftigt sich mit der Frage des guten Geschmacks in der Mode. Was gestern mit Vulgarität gleichgesetzt wurde, kann heute schon als hip inszeniert werden. Die Ausstellung umfasst Leihgaben aus aller Welt und Beiträge von Designern wie Christian Dior, Louis Vuitton und Vivienne Westwood.

ZÜRICH: Das Kunsthaus Zürich vereint vom 10. Februar bis zum 7. Mai 150 Werke des deutschen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938). Museen aus ganz Europa, den USA und Australien steuern Gemälde bei. Die Ausstellung «Großstadtrausch/Naturidyll. Kirchner – Die Berliner Jahre» widmet sich der Zeit von 1911 bis 1917. Im Fokus steht das Spannungsverhältnis zwischen Kirchners Leben in der Metropole Berlin und auf der Ostseeinsel Fehmarn, wohin er sich in den Sommermonaten mit seiner Partnerin Erna Schilling zurückzog. Hier wie dort scherte er sich wenig um die Konventionen des Wilhelminischen Kaiserreichs, und obwohl beide Orte so unterschiedlich waren, inspirierten sie ihn gleichermaßen.

BERLIN: Die erste Ausstellung in Europa zur chinesischen Porträtmalerei kündigen die Staatlichen Museen zu Berlin an. Im Kulturforum werden ab 11. Oktober die «Gesichter Chinas» zu sehen sein. Die mehr als 100 monumentalen Bildnisse stammen aus dem Palastmuseum Peking und dem Royal Ontario Museum Toronto. Die chinesische Porträtmalerei erlebte ihre Blütezeit nach der Ankunft des Italieners Matteo Ricci im Jahr 1583. Der Jesuit kam eigentlich, um zu missionieren, beeindruckte die Chinesen aber viel mehr mit seinen wissenschaftlichen Kenntnissen und technischen Fähigkeiten. So wurde er zu einem der ersten Vermittler zwischen den beiden Kulturen.

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