Sarah «Fergie» Ferguson soll sich wegen einer Verletzung der Privatsphäre von fünf Kinder in der Türkei verantworten.  Foto: Peter Foley
Sarah «Fergie» Ferguson soll sich wegen einer Verletzung der Privatsphäre von fünf Kinder in der Türkei verantworten. Foto: Peter Foley

Sarah «Fergie» Ferguson soll sich wegen einer Verletzung der Privatsphäre von fünf Kinder in der Türkei verantworten. Foto: Peter Foley

dpa

Sarah «Fergie» Ferguson soll sich wegen einer Verletzung der Privatsphäre von fünf Kinder in der Türkei verantworten. Foto: Peter Foley

Istanbul (dpa) - Vernachlässigt, in Lumpen, gefesselt - Filmaufnahmen, die ein Videoteam um Herzogin Sarah «Fergie» Ferguson in einem türkischen Waisenhaus gemacht hat, sorgten 2008 für Schlagzeilen und diplomatische Verstimmung.

Für die Ex-Frau des britischen Prinzen Andrew sollen die Bilder nun ein Nachspiel haben: Ein Staatsanwalt in Ankara hat Ferguson wegen Verletzung der Privatsphäre von fünf Kinder angeklagt. Er fordert 22 Jahre und sechs Monate Haft.

Mit einem britischen Journalisten war Ferguson nahe Ankara in ein staatliches Pflegeheim gekommen. Das Team fand behinderte Kinder, die angebunden waren oder den ganzen Tag in ihren Betten liegen mussten. Die Aufnahmen waren so wohl nur möglich, weil das Team eine versteckte Kamera benutzte. Ferguson soll allerdings - so berichteten es damals türkische Zeitungen - Spenden angeboten haben. Sie habe dafür Heime in Augenschein nehmen wollen, deren Lage besonders schlecht sei. Die Herzogin war bei dem Besuch mit schwarzer Perücke und einem grünen Kopftuch verkleidet.

Die Zustände in türkischen Heimen habe in den vergangenen Jahren schon mehrfach türkische Gerichte beschäftigt. Vor etwa sechs Jahren mussten die Behörden in einem anatolischen Kindergarten einschreiten. Ein Fernsehsender hatte dokumentiert, dass Kinder, die sich in die Hose gemacht hatten, zur Strafe ihre Exkremente ablecken mussten. 15 Kindergärtnerinnen wurden zu bis zu vier Jahren Haft verurteilt.

Und auch nach «Fergies» Film wurde ein Fall öffentlich. In einem Behindertenheim in Istanbul hatte das Pflegepersonal Kinder und Jugendliche geschlagen, mit kaltem Wasser abgespitzt und Zigaretten auf ihrer Haut ausgedrückt. Eine Reinigungskraft hatte dies 2009 mit dem Mobiltelefon aufgenommen und dem türkischen Gesundheitsministerium zugeleitet. «Folter-Skandal», berichteten türkische Medien. Ein Staatsanwalt forderte bis zu 32 Jahre Haft für die Angeklagten.

Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen, die das Team um «Fergie» gemacht hatte, hat die türkische Regierung eine Kontrolle in Waisenhäusern angeordnet. Zugleich protestierte Ankara aber energisch gegen die Arbeitsweise der Journalisten. Vielleicht habe Ferguson die Kinder ja selbst angebunden, behauptete eine Regierungsvertreterin damals sogar. Dieser Vorwurf war völlig haltlos, zeigt aber, dass die Nerven in Ankara blank lagen. Ankara warf «Fergie» eine Schmutzkampagne vor, die den EU-Beitritt des Landes erschweren solle.

«Zu einer Zeit, in der die britische Regierung den EU-Beitritt der Türkei befürwortet, handelt es sich um ein Thema von öffentlichem Interesse», rechtfertigte der britische Fernsehsender ITV die Aktion seines Journalisten. Ob die Türkei einen Auslieferungsantrag gestellt hat und Ferguson damit zum Prozess in die Türkei holen will, wollte das Innenministerium in London nicht kommentieren. Man gebe über Auslieferungsanträge grundsätzlich keine Auskunft, erklärte ein Sprecher. «Es wäre zu früh und nicht angebracht, derzeit über einen möglichen Ausgang zu spekulieren.»

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