Hannovers Herrscher auf Englands Thron
Die Staatskrone Georgs I. aus dem Jahr 1715. Foto: The Royal Collection - Her Majesty Queen Elisabeth II.

Die Staatskrone Georgs I. aus dem Jahr 1715. Foto: The Royal Collection - Her Majesty Queen Elisabeth II.

dpa

Die Staatskrone Georgs I. aus dem Jahr 1715. Foto: The Royal Collection - Her Majesty Queen Elisabeth II.

Hannover (dpa) - Zur Eröffnung seiner Royals-Ausstellung hat das Land Niedersachsen auf einen Gast aus dem britischen Königshaus gehofft - vergeblich.

Doch von Enttäuschung ist bei der Vorstellung der Schau nichts zu spüren. Denn Queen Elizabeth II. hat 30 kostbare Exponate aus London nach Hannover und Celle gegeben, darunter die Staatskrone von Georg I. aus dem Tower. Vor einer Woche konnte zudem verkündet werden, dass Prinz Charles die Schirmherrschaft der Ausstellung «Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714-1837» übernimmt - auch wenn er nicht selbst kommt. Die niedersächsischen Fans der Windsors müssen am 4. Juni mit Charles' Bruder Prinz Andrew vorlieb nehmen.

Die Landesausstellung erinnert zum 300. Jubiläum der sogenannten Personalunion an eine Epoche, die in der Vergangenheit weder in England noch in Deutschland große Beachtung fand. 1714 bestieg der Kurfürst von Hannover Georg Ludwig als Georg I. den englischen Thron. Die Könige Georg I. bis Georg IV. sowie Wilhelm IV. lenkten 123 Jahre lang das Weltreich Großbritannien und waren gleichzeitig Herrscher des Kurfürstentums und ab 1814 des Königreichs Hannover.

Knapp 1000 Objekte von 145 internationalen Leihgebern erzählen in fünf Schlössern und Museen die Geschichte der «Hanoverians», wie sie in England heißen. Auf der Insel hatten die Georgs lange keinen guten Ruf. Georg III. galt als Geizhals und trug wegen seiner Vorliebe für die Landwirtschaft den Spitznamen «Farmer George». Georg IV. interessierte sich mehr für Kunst, Mode und Mätressen als für Politik. Er war eine beliebte Zielscheibe der in England schon freien Presse, die seine Spielsucht und Fettleibigkeit aufs Korn nahmen.

Aus Sicht von Projektleiterin Katja Lembke hat sich die Wahrnehmung der Georgs in England aber verändert. Sie habe sich sehr darüber gefreut, dass Kate und William ihr Baby George genannt hätten, sagte die Direktorin des Landesmuseums Hannover. «Das georgianische Zeitalter wird in England viel positiver gesehen, sonst wäre dieser Name nicht möglich gewesen.»

Die Macher der Schau unter dem Motto «Als die Royals aus Hannover kamen», haben den Anspruch, nicht nur ins Königshaus zu blicken, sondern die Besucher ins 18. und frühe 19. Jahrhundert zu entführen. Es geht um politische Machtkämpfe und Ränkespiele, um Heiratspolitik und Sex-Skandale, um Kriege, Kunst und Kolonialismus. Entwicklungen in der Wissenschaft und Forschung werden ebenso thematisiert wie der Kampf mit Napoleon, dessen Truppen Hannover besetzten.

Ein Schwerpunkt im Landesmuseum Hannover ist der Austausch zwischen den staatsrechtlich getrennten Herrschaftsgebieten. «Hannover hat mehr von London profitiert als umgekehrt», sagt der Historiker Arnd Reitemeier, Chef des Wissenschaftlichen Beirats der Schau. Georg II. etwa gründete die Universität Göttingen, Georg III. ließ die schlechten Straßen im Kurfürstentum zu Chausseen ausbauen.

Um die Besucher bei dem komplexen Thema nicht zu verwirren, ist die Ausstellung farblich zweigeteilt. Blau steht für Großbritannien, Rot für Hannover. In Weiß gehaltene Inseln greifen für die Epoche typische Phänomene auf: Vorgestellt werden etwa der deutsche Naturforscher Georg Foster, der mit James Cook die Welt umsegelte, oder Komponist Georg Friedrich Händel, der in London im Auftrag von Georg II. die Wassermusik komponierte.

Auch das Pferd als niedersächsisches Wappentier darf nicht fehlen. Zum 1735 von Georg II. gegründeten Landgestüt Celle wurden englische Vollblüter gebracht. Aus der Zucht ging die heute weltberühmte Rasse «Hannoveraner» hervor.

Eine Stärke der Schau ist, dass idealisierte Porträts der Herrscher und Schätze aus ihrem Besitz mit Karikaturen kontrastiert werden. So ist ein goldener Eierkocher zu bewundern, den Georg III. zum 66. Geburtstag von seinen fünf jüngsten Töchtern geschenkt bekam. Daneben findet sich eine Karikatur des Zeichners James Gillray: Der geizige König löffelt mit hochrotem Kopf mit einem goldenen Löffel ein Ei. Gillray prägte das Deutschlandbild der Briten. Seine Zeichnung «Germans eating Sour-Krout» zeigt fünf Männer an einem Tisch, die Berge von Sauerkraut und Würstchen verschlingen und den Schweinen auf einem Gemälde hinter ihnen ähneln.

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