Das Gemälde von Jean-Etienne-Liotard zeigt Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid (1743). Foto: Alexander Eugen Koller
Das Gemälde von Jean-Etienne-Liotard zeigt Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid (1743). Foto: Alexander Eugen Koller

Das Gemälde von Jean-Etienne-Liotard zeigt Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid (1743). Foto: Alexander Eugen Koller

dpa

Das Gemälde von Jean-Etienne-Liotard zeigt Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid (1743). Foto: Alexander Eugen Koller

Wien (dpa) - Als ihr Mann am 18. August 1765 überraschend in Innsbruck starb, machte sich die zutiefst bestürzte Maria Theresia eine zahlenlastige Notiz: 335 Monate oder 1540 Wochen oder 10 781 Tage oder 258 744 Stunden.

Die Dauer ihrer Ehe mit Franz Stephan von Lothringen war für die Herrscherin die glücklichste Zeit ihres Lebens. «Sie hat ihn unglaublich geliebt», sagt die Kuratorin Elfriede Iby. Der etwa Din-A5-große Zettel ist eines der kleinen, aber bemerkenswerten Ausstellungsstücke der Schau «300 Jahre Maria Theresia: Strategin - Mutter - Regentin». In der Wagenburg des Schlosses Schönbrunn, im kaiserlichen Hofmobiliendepot in Wien und in den Land-Residenzen Schloss Hof und Niederweiden wird die Ausstellung (15.3.-29.11.2017) über Österreichs populäre Kaiserin präsentiert.

Die Beliebtheit verdankt sich einer Geschichtsbetrachtung, die manch dunklere Seiten wenig beleuchtet. «Sie war eine pragmatisch orientierte Reformerin, mit dem wirklichen Geist der Aufklärung hatte das nichts zu tun», sagt der Wiener Historiker Karl Vocelka. So habe die tief religiöse Maria Theresia eine starke Abneigung gegen Protestanten und Juden gehabt und auf deren Umsiedlung gedrängt. Die Hexerei sei in Österreich noch zu ihrer Zeit ein Straftatbestand gewesen, die Folter habe sie erst gegen Ende ihrer Amtszeit abschaffen lassen, meint Vocelka, der in der Ausstellung die Themen Außen- und Innenpolitik der Regentin behandelt.

Ein zentrales Dokument ist dort ausgestellt: Die «Pragmatische Sanktion», mit der Karl VI. 1713 alle Varianten einer möglichen Nachfolgefrage regelte - und die der später geborenen Maria Theresia als Frau den Weg zum Thron ebnete. Es sei aber - obwohl in vielen Schulbüchern so dargestellt - kein speziell auf Maria Theresia gemünztes Gesetz gewesen. «Es wurde vier Jahre vor ihrer Geburt verfasst», sagt Vocelka.

Geprägt war die Zeit vom Siebenjährigen Krieg (1756-1763), in dem Preußen nach dem zu Österreich gehörenden Schlesien griff. Das Verhältnis zum Kriegsgegner Friedrich dem Großen sei zwar schlecht gewesen, das habe die Habsburgerin aber nicht daran gehindert, sich bei ihrer Schulreform und der Staatsorganisation an Preußen zu orientieren, meint Vocelka.

Maria Theresia führte 1774 die Schulpflicht für alle Kinder - Jungen wie Mädchen - im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein. Zwar saßen in den Klassen teils 80 Schüler oder gar mehr, aber die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, erreichte zumindest in den Kernländern der Monarchie einen extrem hohen Wert. «Dort waren später nur drei Prozent der Bevölkerung Analphabeten - ein sensationeller Wert», so der Historiker.

Mit ihren eigenen Kindern - sie war 16-fache Mutter - ging Maria Theresia ebenfalls sehr modern um. «Die Erzieher hatten die Anweisung, auf die ganz individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes einzugehen», sagt Iby. Darin seien sich die Eltern, wie in so vielem, völlig einig gewesen. An die aus dramatischem Anlass berühmteste Tochter Marie Antoinette - sie wurde als Frau von Ludwig XVI. in der Französischen Revolution 1793 hingerichtet - erinnert in der Ausstellung unter anderem ein wichtiges Porträtgemälde aus dem Schloss Versailles.

Im Hofmobiliendepot, das sich dem Thema «Familie und Vermächtnis» widmet, ist auch ein Prunkstück zu sehen, das wiederum eine höchst wertvolle Liebesgabe von Maria Theresia an ihren Gatten war. Der mit 2102 Diamanten und 761 Farbsteinen wie Smaragd und Rubin besetzte Edelstein-Strauß von 1760. Dank eines Liftings durch die Konservatoren werden sich die Blüten bis zur Schau auch wieder aufrichten - sie waren im Laufe der Jahrhunderte unter dem Gewicht der Edelsteine eher der Schwerkraft gefolgt.

Stets ganz in Schwarz nach dem Tod ihres Mannes gekleidet machte sich die immer melancholischere und schließlich wohl auch verwirrte Herrscherin früh Gedanken über die Art des Begräbnisses. Sie entschied sich für einen gewaltigen Doppel-Sarkophag, in dem die beiden Büsten der Eheleute eine zentrale Rolle bei der erhofften Himmelfahrt ins Jenseits spielen. Der Sarg gehört zu den spektakulären Stücken in der Wiener Kapuzinergruft - und lädt unabhängig von der Schau zum staunenden Betrachten ein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer