Maria (l) und Margot Hellwig mit einer ihrer ersten Schallplatten aus den 60er Jahren (Archivfoto).
Maria (l) und Margot Hellwig mit einer ihrer ersten Schallplatten aus den 60er Jahren (Archivfoto).

Maria (l) und Margot Hellwig mit einer ihrer ersten Schallplatten aus den 60er Jahren (Archivfoto).

dpa

Maria (l) und Margot Hellwig mit einer ihrer ersten Schallplatten aus den 60er Jahren (Archivfoto).

Reit im Winkl (dpa) - Aktiv war Maria Hellwig bis zuletzt. Noch mit 86 Jahren trat sie beim deutschen Vorentscheid zum «Grand Prix der Volksmusik» an. Im ZDF sagte sie damals: «Ich will mit meiner Teilnahme ein Zeichen setzen, dass Menschen auch im Alter noch aktiv sein können.»

Auch mehrere Stürze im geliebten Gästehaus in Reit im Winkl steckte die zuletzt fast blinde Volksmusiksängerin tapfer weg. In der Nacht zum Samstag starb Deutschlands «Jodelkönigin» 90-jährig.

«In tiefer Trauer teilen wir mit, dass Maria Hellwig am 26. November 2010 um 22.50 Uhr verstorben ist», heißt es auf der offiziellen Internetseite von Maria und Margot Hellwig, ihrer Tochter, mit der sie Jahrzehnte auf der Bühne stand. Maria Hellwig war einem großen Fernsehpublikum bekannt.

Ihren letzten Auftritt absolvierte die 90-Jährige am 7. September in Ainring im Berchtesgadener Land, wie der beste Freund der Familie, Volksmusikant Thomas Berger, der Nachrichtenagentur dpa in München sagte. «Sie war unser Stargast.» Vor einer Woche verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Sängerin. Maria Hellwig musste in eine Klinik im nahen Ruhpolding. «Sie wurde immer schwächer», schilderte Berger die letzten Tage von Maria Hellwig - die Folge eines schweren Infekts. Mit einem Lächeln auf den Lippen sei sie gestorben, nachdem ihre Familie sich wenige Stunden zuvor noch am Krankenbett versammelt hatte. «Ihre letzten Atemzüge waren Gesang», sagte Berger.

Am 22. Februar hatte die perfekte Jodlerin in ihrem geliebten Cafe «Kuhstall» im Kreise der Familie und mit vielen Freunden noch ihren 90. Geburtstag gefeiert - allerdings mit starken Rückenschmerzen nach einem erneuten Sturz. «Meine Mutter jammert nicht», beschrieb Tochter Margot damals die eiserne Disziplin, mit der die «Grande Dame» der Volksmusik die Last des Alters trug.

Maria Hellwig wurde mit mehr als 500 Sendungen im Fernsehen und auf Tourneen rund um den Globus zur ungekrönten «Jodelkönigin». Ans Aufhören dachte sie nie: «Ich bleibe auf der Bühne, solange ich mich zum Walzer drehen kann und die Leute mich mögen», bekannte sie mehrfach. «Singen ist für mich Lebensqualität.»

Populär wurde Maria Hellwig in den 1970er Jahren mit der Fernsehsendung «Die Musik kommt». Nach der Wiedervereinigung gewann sie in den ostdeutschen Bundesländern viele neue Fans hinzu. Ihr Markenzeichen war eine ganz besondere Technik des Jodelns, mit der sie auch die höchsten Töne locker bewältigte.

Zum ersten Mal stand sie mit fünf Jahren auf der Bühne des heimatlichen Bauerntheaters - als Mädchen, das sterben musste. «Die Leute haben geweint. Da dachte ich mir, du musst gut gestorben sein», erzählte sie gerne schmunzelnd. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges sammelte sie an der Hamburger Volksoper Erfahrungen im Operettenfach.

Ihrer Tochter zuliebe kehrte sie zusammen mit ihrem zweiten Mann nach Reit im Winkl zurück. Daheim entdeckte der Jodelsänger Franzl Lang die Künstlerin für die berühmte Münchner Volksbühne «Platzl», wo ihre zweite Karriere begann. Durch Schallplattenaufnahmen, Gastspiele und Tourneen wurde sie schnell als Volksmusikantin berühmt. Sie spielte in zwei Heimatfilmen mit, ging 1959 mit Max Greger auf eine Tournee durch Russland und wurde in Amerika, Kanada und Japan als Botschafterin deutscher Volksmusik gefeiert.

Für ihre Verdienste um die Volksmusik erhielt Maria Hellwig viele Auszeichnungen. Auch Goldene Schallplatten bekam sie. Doch am meisten freute sie eine Ehrung ihrer Heimatgemeinde Reit im Winkl: Dort heißt der Weg zu ihrem Gästehaus «Maria Hellwig-Weg». Nächste Woche soll die Sängerin an der Seite ihres Mannes auf dem Friedhof in Reit im Winkl beerdigt werden. Viele Freunde der Volksmusik werden sich dann dort zum Abschied von der «Jodelkönigin» versammeln.

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