Dr. Conrad Murray
Conrad Murray vor Gericht.

Conrad Murray vor Gericht.

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Conrad Murray vor Gericht.

Los Angeles (dpa) - Déjà-vu-Erlebnis für Dr. Conrad Murray auf der Anklagebank: Schon im Februar 2010 hatte der Leibarzt des «King of Pop» vor einem Richter in Los Angeles seine Unschuld beteuert. Am Dienstag tat es der Kardiologe noch einmal: «Euer Ehren, ich bin ein unschuldiger Mann», sagte der 57-Jährige mit fester Stimme.

Auf die Anklage wegen fahrlässiger Tötung plädierte er mit «nicht schuldig». Bis Ende März haben der Arzt und sein Team von Juristen nun Zeit, den Prozess vorzubereiten. Richter Michael Pastor will am 28. März mit der Auswahl der Juroren das Verfahren eröffnen.

Sein Mandant freue sich darauf, «seine Seite der Geschichte zu erzählen», sagte Murrays Anwalt Ed Chernoff nach dem Gerichtstermin. Acht Wochen soll der Prozess aus der Sicht des Juristen dauern, die Staatsanwaltschaft rechnet mit vier bis sechs Wochen. Ihre Haltung ist kein Geheimnis: Die Anklage wirft Murray vor, er habe mit der Verabreichung vieler Schlaf- und Narkosemittel den Tod des Sängers am 25. Juni 2009 fahrlässig herbeigeführt. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mediziner bis zu vier Jahre Haft.

Es war Mord, wetterte vor dem Gerichtsgebäude eine junge Frau, die sich als Sprecherin eines Jackson-Fan-Clubs ausgab. Murray würde viel zu leicht davonkommen, sagte sie der großen Schar von Reportern. Die Mutter des Sängers, Katherine Jackson, und Bruder Randy waren im Gerichtssaal zugegen, diesmal auffällig still. Vor einem Jahr hatte die Familie des Sängers noch lautstark auf eine schwerwiegendere Anklage gedrängt. «Er hat ihn umgebracht», wetterte Katherine damals über den Arzt. «Er hat nicht auf ihn aufgepasst.»

Richter Pastor hatte Mitte Januar in einer sechstägigen Anhörung Zeugen gehört, die Murray schwer belasteten. Ein Gerichtsmediziner hielt dem Kollegen fatale Fehler und die Verletzung seiner Sorgfaltspflicht vor. Pastor verhängte ein sofortiges Berufsverbot, Murray darf seither in Kalifornien nicht mehr praktizieren. Dies gilt aber nicht für Nevada und Texas, wo der Afroamerikaner aus Grenada noch Patienten hat. Einen kleinen Sieg trug der Angeklagte am Dienstag davon: Bis zum Prozessbeginn muss er nicht mehr in Los Angeles vor Gericht erscheinen. Der Richter gab Murray grünes Licht, in seiner Praxis in Houston weiter zu arbeiten.

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