Kulturhauptstadt Maribor
Die zweitgrößte slowenische Stadt Maribor hat bis kurz vor dem Start ihres Kulturhauptstadt-Projekts wegen Geldmangels und Streits von sich reden gemacht. Foto: Antonio Bat

Die zweitgrößte slowenische Stadt Maribor hat bis kurz vor dem Start ihres Kulturhauptstadt-Projekts wegen Geldmangels und Streits von sich reden gemacht. Foto: Antonio Bat

dpa

Die zweitgrößte slowenische Stadt Maribor hat bis kurz vor dem Start ihres Kulturhauptstadt-Projekts wegen Geldmangels und Streits von sich reden gemacht. Foto: Antonio Bat

Ljubljana/Belgrad (dpa) - Eine europäische Kulturhauptstadt liegt im Gebiet des früheren Jugoslawiens. Das gab es noch nie. Die Erwartungen von Bürgern, Künstlern und Medien an Maribor - die zweitgrößte slowenische Stadt - waren hochgesteckt. Doch das Programmbudget wurde von ursprünglich 50 auf jetzt 21,5 Millionen Euro gekürzt.

Zum Vergleich: Die Kulturhauptstadt Essen verfügte 2010 über 48 Millionen Euro. Aus Protest gegen die Finanzklemme trat Oto Luthar als Chef des Trägervereins «Maribor 2012» Ende Dezember sogar zurück.

Nur wenige Tage vor der Eröffnung des Veranstaltungsjahres am vergangenen Wochenende überwies die Stadtverwaltung von Maribor eine Rate von 600 000 Euro und machte damit den Start ins Programm überhaupt erst möglich. Architekturprojekte für 150 Millionen Euro, von denen Maribor auch nach 2012 noch profitieren sollte, fielen dem Rotstift ganz zum Opfer. Wehmütig verwiesen die Veranstalter auf die Casa Musica in Porto (2001), das Veranstaltungszentrum Concertgebouw in Brügge (2002) oder die Grazer Kunstinsel im Murfluss (2003) - umsonst.

Aber jetzt soll doch noch alles gut werden - das jedenfalls hoffen die Veranstalter, die mit einer Million Besuchern rechnen. Immerhin hat die Eröffnungsfeier, mit Rockkonzert und Lichtspektakel, durchweg gute Kritiken bekommen. Licht und Leuchten sollen der einstigen Industriestadt Maribor den Weg zu neuer Identität weisen, nach der sie seit dem Zusammenbruch Jugoslawiens und dem Wegfall des wirtschaftlichen Hinterlandes Anfang der 90er Jahre sucht, so der Plan.

Einer der Lichtblicke ist die prominente Gästeliste: Größen wie die Schriftsteller Charles Simic und Mario Vargas Llosa oder der Starpianist Ivo Pogorelich geben sich im Laufe des Jahres die Klinke in die Hand. Auch von der Partie sind der international bekannte «jugoslawische» Musiker und Komponist Goran Bregovic, der Schachgroßmeister Garri Kasparow und bildende Künstler wie Jan Fabre und Rebecca Horn. Im Herbst präsentiert die Londoner Tate Gallery ihre Schätze.

Das größte Kulturereignis in dem mit 20 Jahren noch jungen EU- und Nato-Staat Slowenien will auch an die Wurzeln von Maribor im ehemals kommunistischen Jugoslawien erinnern. Genauso werde die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Habsburger Reich und damit zum deutschsprachigen Kulturraum herausgestellt. Dazu eröffnete Slowenien vor wenigen Tagen in Wien sein erstes ausländisches Kulturzentrum überhaupt.

Wie Essen für das Ruhrgebiet 2010 steht Maribor für fünf weitere Partnerstädte in Ostslowenien. Allerdings fühlen die sich von der Hauptstadt Ljubljana am anderen Ende des kleinen Landes ein wenig untergebuttert. Zu den Zielen im Kulturhauptstadtjahr zählt die Image-Aufwertung dieser Region gegenüber dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zentrum Sloweniens.

Dem amtierenden Regierungschef Borut Pahor werfen Kritiker vor, er setze sich zu wenig für das Maribor-Projekt ein. Seine Unterstützung demonstrierte dagegen der Staatspräsident und gebürtige Mariborer Danilo Türk, indem er zur Eröffnung erschien. Auch die EU-Kultur- und Bildungskommissarin Androulla Vassiliou kam vorbei und machte den finanzgeplagten Veranstaltern Mut. Von jedem investierten Euro kämen acht Euro wieder zurück, rechnete sie vor.

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