Schorsch Kamerun
Der Sänger Schorsch Kamerun hat einst den Golden Pudel Club in Hamburg gegründet.

Der Sänger Schorsch Kamerun hat einst den Golden Pudel Club in Hamburg gegründet.

dpa

Der Sänger Schorsch Kamerun hat einst den Golden Pudel Club in Hamburg gegründet.

Hamburg (dpa) - «Willkommen in der Elbphilharmonie der Herzen» heißt es auf der Homepage des Golden Pudel Clubs. Familiär und authentisch geht es seit jeher zu in der Hütte am Elbufer, zwischen Hafenstraße und Fischmarkt.

«Es geht ja auch um Haltung, und wir haben uns in all den Jahren nicht verbogen», erklärt Schorsch Kamerun. «Der Pudel sollte nie nur ein Club sein, wo man hingeht und ausschließlich abfeiert, sondern auch ein Irritationsfeld, wo etwas Unerwartetes passiert.» Der Sänger der Goldenen Zitronen hat den Laden vor 21 Jahren gemeinsam mit Rocko Schamoni gegründet. Für die Musiker der Hamburger Schule wurde er ebenso zum zweiten Wohnzimmer wie für viele prominente DJs und Künstler.

«Er ist und bleibt ein Hort der wundervollen Widerspenstigen mit starker Partyaffinität und einem gewissen Hang zur humoristischen Randale», sagen die Macher. Der «Pudel» sei eine Probebühne für jede Form von Individualität. Und die Namensliste derer, die sich in den vergangenen 20 Jahren auf ihr tummelten ist groß: Ein damals noch unbekannter Helge Schneider sorgte in den Anfangsjahren für spektakuläre Abende, Sterne-Sänger Frank Spilker stand in den 90ern eine Zeit lang hinterm Tresen und Künstler wie Daniel Richter, Albert Oehlen oder Jonathan Meese hängten im dazugehörigen Ausstellungsraum ihre Bilder an die Wand.

Seine Anfänge nahm der Pudel Club in einer «Nachtschwärmerboutique» auf St. Pauli, bevor er wenig später in eine ehemalige Schlachterkneipe im Schanzenviertel zog, lange bevor das Quartier zum Inbegriff der Gentrifizierung wurde. «Rocko ließ sich vom Hausmeister den Schlüssel geben, um in dem Laden sein Fahrrad abzustellen. Wir kamen dann auf die Idee, dort geheime Sauf-Seancen zu veranstalten», erinnert sich Kamerun. Die Gäste wurden telefonisch eingeladen, der Laden war immer brechend voll, der Musik-Mix - etwa an «Techno-Country»-Abenden - oft ungewöhnlich.

Mitte der 90er wechselt der «Pudel» in seinen heutigen Standort, einen alten Schmugglerknast des Hafenzollamts. In lauen Sommernächten tummeln sich die Gäste auf der Hafentreppe vor dem kleinen Haus und genießen den einzigartigen Ausblick auf die Elbkräne. Der Laden ist lange kein Geheimtipp mehr, steht in vielen Szene-Führern und schafft es dennoch, sich treu zu bleiben. «Wir trotzen nach wie vor der Gentrifizierung, auch wenn wir sie - das muss man sich eingestehen ­ mit eingeleitet haben», sagt Kamerun.

So haben die Clubbetreiber nie versucht, mit dem «Golden Pudel Club», wie er inzwischen heißt, Geld zu machen. Und auch Sponsoring- Angebote seien konsequent abgelehnt worden, «damit nicht irgendwann Red Bull auf dem Flyer steht», erklärt Kamerun und ergänzt mit einem Grinsen: «Wenn an den Wochenenden unserer Meinung nach zu viele Pinneberger kamen, haben wir mit schwer hörbarem Free-Jazz oder depressiver Barockmusik gegen das eigene Publikum aufgelegt.»

Der 20. Geburtstag im vergangenen Jahr wurde komplett verpasst. «Wir sind etwas altmodisch und feiern unsere eigentliche Volljährigkeit», sagt Kamerun. So gibt es zum 21. Bestehen eine Jubiläumsgala auf Kampnagel am 16. Dezember. Mit dabei der komplette Pudel-Apparat (Schamoni, Kamerun, Scharli K., Raf le Spoink und Viktor Marek) und langjährige Weggefährten wie DJ Patex, Knarf Rellöm und Jacques Palminger. Außerdem kommt noch eine Geburtstags-Doppel-CD auf den Markt.

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