Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosa bei seiner Nobelpreisrede in Stockholm.

Mario Vargas Llosa bei seiner Nobelpreisrede in Stockholm.

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Mario Vargas Llosa bei seiner Nobelpreisrede in Stockholm.

Stockholm (dpa) - Rührung, Tränen und versagende Stimme: Selten ist ein Nobelpreisträger in Stockholm so emotional aufgetreten wie Mario Vargas Llosa.

Vor der Entgegennahme des Literaturpreises am Freitag hat sich der 74-jährige Schriftsteller aus Peru mit einer eigenwilligen Liebeserklärung an seine Ehefrau Patricia vielleicht genauso einen Platz in den Nobel-Annalen gesichert wie mit seinen Büchern.

«Peru ist Patricia, die zierliche und temperamentvolle Cousine, mit der ich seit 45 Jahren glücklich verheiratet bin», sagte Vargas Llosa am Dienstagabend im ehrwürdigen Saal der alten Stockholmer Börse. Ein «unbezwingbarer Charakter» sei sie, rief er in Spanisch aus, und dem sonst so kühlen und abgeklärten Analytiker versagte die Stimme. Mehrfach musste er seine Rede unterbrechen, um Luft zu holen. «Ohne sie hätte sich mein Leben längst in einem chaotischen Wirbel aufgelöst», schluchzte Vargas Llosa, während die Gepriesene gerührt in der ersten Reihe saß.

Auch sonst durch wenig zu erschütternde Herren aus dem hohen Norden wurden beim verschämten Wegwischen von Tränen gesichtet. «Ich habe wie ein Kind gelacht», bekannte dagegen die schwedische »Aftonbladet»-Journalisten Karin Magnusson in ihrem Blog. Denn was Vargas Llosa konkret als unvergleichliche Lebensleistung seiner Ehefrau beschrieb, erinnerte an längst vergangen geglaubte Zeiten: «Sie nimmt sich der Probleme an, verwaltet die Finanzen, bringt Ordnung ins Chaos, hält Journalisten und Eindringlinge fern, verteidigt meine Zeit, legt Termine und Reisen fest, packt Koffer ein und aus.»

Das sei ja nun eine Provokation für «schwedische Gleichberechtigungs-Fundamentalisten», schrieb Magnusson sanft ironisch und wünschte sich für ihr eigenes Leben «auch eine Patricia». Unter dem Strich stufte sie Vargas Llosas Liebeserklärung als «genau so schön» ein wie die des schwedischen Prinzen Daniel bei der Hochzeit im Juni mit Kronprinzessin Victoria. Da weinten ja bekanntermaßen so gut wie alle, Königin Silvia eingeschlossen.

Auch Álvaro Vargas Llosa fand die Liebeserklärung seines Vaters einfach schön: «Ich mag es sehr, dass das Publikum sehen konnte, was seine Familie für ihn bedeutet». Wie anders fiel doch dieser Auftritt des Südamerikaners bei der traditionellen Nobelvorlesung aus als im vergangenen Jahr der von Herta Müller aus Berlin. Die mit der Ehrung verbundenen Auftritte seien «ein ganz anderer Job als das Schreiben», sagte die gebürtige Rumänin damals nüchtern. Sie versuche ihn halt so gut zu machen, wie sie könne.

«Ein Lob auf das Lesen und die Fiktion» hatte Vargas Llosa seine Vorlesung betitelt. Im kollektiven Gedächtnis wird eher das Lob auf die Ehefrau mitsamt den Tränen haften bleiben. Dabei hatte sich Vargas Llosa durchaus pointiert und kämpferisch auch zu seiner politischen Position als liberaler Demokrat bekannt. Die Demokratie gelte es kämpferisch zu verteidigen: «Neue Formen der Barbarei wuchern, vom Fanatismus geschürt. Angesichts der vehementen Zunahme von Massenvernichtungswaffen ist nicht auszuschließen, dass irgendeine obskure Gruppe wahnwitziger Erleuchteter eines Tages eine nukleare Katastrophe auslöst.»

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