Heinrich Schliemann
Undatiertes Porträt (um 1880) des deutschen Kaufmanns, Archäologen und Altertumsforschers Heinrich Schliemann (1822-1890).

Undatiertes Porträt (um 1880) des deutschen Kaufmanns, Archäologen und Altertumsforschers Heinrich Schliemann (1822-1890).

dpa

Undatiertes Porträt (um 1880) des deutschen Kaufmanns, Archäologen und Altertumsforschers Heinrich Schliemann (1822-1890).

Ankershagen (dpa) - Sein Name ist untrennbar mit dem Mythos Troja verbunden. Heinrich Schliemann (1822-1890) suchte wie besessen nach Zeugnissen großer geschichtlicher Ereignisse. Gern hätte er wohl auch noch das Grab von Alexander dem Großen entdeckt.

Doch das Schicksal wollte es anders: Der Kaufmann und Altertumsforscher starb am 26. Dezember 1890 in Neapel an den Folgen eines Ohrenleidens. Beigesetzt wurde der gebürtige Mecklenburger wenige Tage später in Athen, der Heimat seiner zweiten Frau Sophia. «Auch wenn seine Methodik umstritten ist, war er doch ein Wegbereiter für die Archäologie», sagt der Greifswalder Historiker Fred Ruchhöft.

Schon als Achtjähriger soll der 1822 geborene Pastorensohn in seinem Elternhaus davon geträumt haben, das legendäre Troja zu finden. Das Pfarrhaus im mecklenburgischen Ankershagen beherbergt heute das Heinrich-Schliemann-Museum, eine international anerkannte Forschungsstätte. Schliemann war schon über 40 Jahre alt, als er daran ging, seinen Traum zu verwirklichen. Bis dahin hatte er es vom Handelsgehilfen zum vermögenden Kaufmann gebracht. Mit spekulativen Goldgeschäften in Kalifornien und Erfolgen beim schwunghaften Warenhandel in St. Petersburg schuf er die finanzielle Basis für seine Leidenschaft.

Die Antike hat ihn nie losgelassen. Homers «Ilias» diente Schliemann als Wegweiser. Als er schließlich auf dem unscheinbaren Hügel Hissarlik in der heutigen Türkei stand, war er überzeugt davon, dass an diesem Ort der zehnjährige Krieg der Griechen um Troja tobte. Tatsächlich stieß der damals 48-Jährige - als Außenseiter in der Archäologie oft verlacht - 1870 auf erste Siedlungsreste, die er als das sagenhafte Troja identifizierte. Wie sich später herausstellte, stammten diese Funde aus einer anderen Zeit.

Am Ziel seiner Träume schien Schliemann 1873 angekommen, als er auf den langersehnten großen Fund stieß: Eine Steintruhe mit goldenen Ketten, Armreifen, Diademen und anderen Kostbarkeiten. Für Schliemann der «Schatz des Priamos», des legendären Königs von Troja. Heute gilt als sicher, dass der Schatz, der in den Kriegswirren 1945 nach Russland kam und bis heute dort lagert, über 1000 Jahre älter als der trojanische Krieg ist.

Die spektakulären Funde brachten dem zielstrebigen Autodidakten, der mehr als ein Dutzend Sprachen beherrschte, viel Bewunderung ein. Doch hatte er vor allem zu Beginn der Ausgrabungen Fehler gemacht, die ihm schon zu Lebzeiten auch harsche Kritik eintrugen. Mit dem berüchtigten «Schliemanngraben», einer durch den Hügel geschlagenen Schneise, hatte er achtlos jüngere Siedlungsschichten zerstört, die unwiderruflich verloren gingen für die Wissenschaft. Andererseits steckte die sogenannte Feldarchäologie damals in den Kinderschuhen. Heute gilt Schliemann als einer ihrer Pioniere.

«Sein Leben bleibt eine erstaunliche und erstaunlich moderne Erfolgsgeschichte im Sinnes eines echten Self-Made-Man», meint Professor Wolfgang Bernard, Leiter des Heinrich Schliemann-Instituts für Altertumswissenschaften an der Universität Rostock. Auch durch die für jene Zeit ungewöhnliche Öffentlichkeitsarbeit habe Schliemann entscheidend zur Etablierung der Klassischen Archäologie als kultur- und geschichtswissenschaftlicher Disziplin beigetragen.

Große Verdienste hat er sich nach Ansicht von Reinhard Witte, Leiter des Schliemann-Museums in Ankershagen, bei der Wiederentdeckung vorklassischer Kulturen in Griechenland und Anatolien erworben. Im September kommenden Jahres lädt das Museum Schliemann-Forscher aus Ländern wie Griechenland, den USA und den Niederlanden zu einem internationalen Kolloquium in das kleine mecklenburgische Dorf ein. Dann soll die einst hart geführte Kontroverse um Person und Verdienste des Altertumsforschers im Mittelpunkt stehen.

Schliemann habe die Archäologie «hoffähig» gemacht, ergänzt Fred Ruchhöft. Eine Popularität und Wertschätzung, die heute mitunter verloren zu gehen droht. So müssen sich nach Angaben von Fachleuten heute hoch qualifizierte Forscher mit knappen Mitteln von einer Grabungskampagne zur nächsten schaufeln. Dabei ist die legendäre Ausgrabungsstätte mit ihrer mehr als 4000-jährigen Siedlungsgeschichte seit 1998 Unesco-Weltkulturerbe und touristischer Anziehungspunkt. Der Mythos Troja ist ungebrochen.

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