Solo-Seglerin Laura Dekker
Hollands 15-jährige Solo-Seglerin Laura Dekker am 27.07.2010 in Brouwershaven.

Hollands 15-jährige Solo-Seglerin Laura Dekker am 27.07.2010 in Brouwershaven.

dpa

Hollands 15-jährige Solo-Seglerin Laura Dekker am 27.07.2010 in Brouwershaven.

Amsterdam (dpa) - Vor der Südpazifik-Insel Vanuatu kommt ein heftiger Sturm auf. Doch Laura Dekker hält ihre Jacht «Guppy» auf Kurs - «mehr unter als über dem Wasser», wie die 15-Jährige in ihrem Weblog beichtet. «Guppy schlingerte enorm.

Was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Gegend.» Laura wird klitschnass, tagelang schmeckt alles salzig. Halb so schlimm, «wäre nicht mein Päckchen Cornflakes über Bord gegangen». Am 4. August 2010 war Laura im südniederländischen Brouwershaven in See gestochen, um einige Tage später von Gibraltar aus als jüngster Mensch allein die Erde zu umsegeln. Da war sie noch 14.

Inzwischen ist Laura weit gekommen, hat den Atlantik und das längste Stück des Pazifiks hinter sich gebracht. Alles in allem problemloser, als so mancher befürchtet hat. Vom Osten Australiens aus liegt nun zwar immer noch eine gewaltige Strecke vor ihr. Doch Hollands «Zeilmeisje» (Segelmädchen) kann sich Zeit lassen, kann immer wieder Pausen in spannenden Häfen einlegen.

Um einen neuen Solo-Rekord aufzustellen, müsste die blonde Niederländerin ihren Törn spätestens vier Tage vor ihrem 17. Geburtstag am 20. September 2012 erfolgreich beendet haben. Dann hätte sie Jessica Watson übertrumpft. Die Australierin hatte ihre Solo-Weltumseglung drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag am 15. Mai 2010 in Sydney abgeschlossen.

Doch von einem neuen Alters- oder besser Jugendrekord hört man in letzter Zeit vom «Zeilmeisje» nichts mehr. Es gehe Laura eigentlich weniger um einen Rekord, sagt mittlerweile ihr Vater. Dick Dekker hatte Lauras Segelprojekt, das nicht wenige in Holland als «Wahnsinnsunternehmen» kritisierten, gegen alle Widerstände verteidigt. Jetzt heißt es, die Tour an sich sei das Ziel. Dass sie überhaupt allein die Welt umsegeln kann, nicht weniger, aber auch nicht mehr, wolle sich Laura beweisen.

Mag sein, dass Vater Dekker inzwischen E-Mails und Briefe an die Nieren gehen, in denen er als Rabenvater beschimpft wird, der das Leben seiner Tochter aufs Spiel setzen würde. Vor allem aber: Einen Rekordtitel «Jüngste Solo-Weltumseglerin» will kein internationaler Verband offiziell anerkennen - weder für Laura, noch für andere «Kindersegler».

Die Sportfunktionäre wollen waghalsige Weltmeer-Jagden von immer jüngeren Rekordanwärtern nicht fördern. Sie reagierten damit auch auf den lebensgefährlichen Schiffbruch, den die seinerzeit 16-jährige Amerikanerin Abby Sunderland bei ihrem Versuch einer Alleinumseglung erlebte. Ihr Boot verlor im Juni 2010 bei einem Sturm den Mast und trieb im Indischen Ozean. Abby löste mit Alarmbojen, wie sie auch Laura an Bord hat, eine internationale Suchaktion aus.

Auch an diese dramatische Rettung denkt wohl so mancher, der regelmäßig Lauras Weblog und ihre Position im Internet verfolgt. Darunter sind auch Mitarbeiter des niederländischen Jugendschutzes, die seinerzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, Lauras Start zu unterbinden. Ehe sie voriges Jahr die Hoheitsgewässer der Niederlande verlassen durfte, musste Laura einen langen Streit vor verschiedenen Gerichten über sich ergehen lassen.

Zeitweise wurde das Erziehungsrecht ihres Vaters und der von ihm geschiedenen deutschen Mutter Babs Müller eingeschränkt, und Laura unter Aufsicht des Jugendamtes gestellt. Sie reagierte bockig, ja verzweifelt. Über Nacht floh sie in die Karibik, um sich dort ein Boot zu besorgen, wurde erwischt und nach Holland zurückgebracht. Später war in Medienberichten gar von einem Selbstmordversuch die Rede.

Schließlich änderte Lauras Mutter, die gegen den Rekordversuch war, ihre Meinung: «Das ist kein Kinderschutz, das ist Kindesmisshandlung», sagte sie. Zuvor hatten die niederländischen Großeltern in einer emotionsgeladenen Stellungnahme erklärt, gefühlskalte Paragrafenreiter würden mit ihrem «Nein» Lauras «junge Seele zerstören».

Wer Recht behält, ist mit Blick auf den Segel-Jahrestag wieder mal eine viel diskutierte Frage. Wie immer die Antwort lauten mag, auf das «Mädchen mit Meersalz im Blut», wie eine Zeitung Laura angesichts ihres Muts und ihrer Segelkünste bewundernd nannte, wird man in Holland vielleicht vergeblich warten. «Dieses verklemmte Land hat versucht, mich fertig zu machen», sagte Laura kürzlich dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Deshalb werde ich auch nie wieder dorthin zurückkehren.»

Freilich hat sie noch viel Zeit, sich das gründlich durch den Kopf gehen zu lassen. Wenn sie nicht gerade über ihre weitere Route nachdenkt. Vorgesehen und nicht ohne Zeitverlust abänderbar ist eine Strecke durch den Golf von Aden ins Rote Meer. Sie führt vorbei an Somalia, der Heimat des Hungers und der Piraten. «Die werden doch wohl kaum das Boot eines einzelnen Mädchens kapern», machte sich Dick Dekker im «Spiegel»-Gespräch Mut. «Vielleicht», fügte er dann hinzu, «ist Laura durch ihre Bekanntheit aber auch ein attraktives Ziel».

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