"Evangeliar-Codex Wittekindeus" im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus in Berlin.
"Evangeliar-Codex Wittekindeus" im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus in Berlin.

"Evangeliar-Codex Wittekindeus" im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus in Berlin.

dpa

"Evangeliar-Codex Wittekindeus" im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus in Berlin.

Berlin (dpa) - Das weltweit wohl wertvollste Exemplar der Gutenberg-Bibel, die Originalpartitur von Beethovens 9. Symphonie und Hoffmann von Fallerslebens «Lied der Deutschen» - die Schätze der Berliner Staatsbibliothek lassen das Herz jedes Buchliebhabers höher schlagen.

Mit 23 Millionen Büchern, Drucken und Handschriften ist die «Stabi» die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschen Sprachraum. Dieses Jahr feiert die ehrwürdige Preußen-Institution ihren 350. Geburtstag. «Ein Gedächtnis der Nation», sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Donnerstag.

1661 als «Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree» gegründet, hat das Haus eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Einen Einblick gibt von Freitag (4.3.) an die Schau «Eine Bibliothek macht Geschichte». Im Rahmen der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums sind knapp 50 besondere Schmuckstücke des Hauses zu sehen - in eigens gekennzeichneten Vitrinen in den jeweiligen zeitgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet.

«Wir feiern das große Jubiläum einer honorigen alten Dame, der man das Alter nicht anmerkt», erklärte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Staatsbibliothek mit ihren zwei Berliner Standorten gehört. «Sie ist immer mit der Zeit gegangen und damit ewig jung geblieben.»

Etwa 1,5 Millionen Besuche verzeichnet die Stabi pro Jahr. Wichtig sind längst nicht mehr nur die Bücher, sondern auch die elektronischen Datenbanken und die in Mikroform zugänglichen Zeitungen und Zeitschriften. Im Rahmen des EU-Projekts Europeana werden die Berliner Experten von diesem Jahr an auch die geplante Digitalisierung von zehn Nationalbibliotheken koordinieren.

Angefangen hat alles im Apothekerflügel des einstigen Berliner Schlosses. 1661 ließ der damalige Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg dort seine Bibliothek eröffnen. Zum Gründungsbestand gehörte bereits die auf 320 Ziegenhäuten gedruckte, zweibändige Gutenberg-Bibel mit ihren wertvollen, handgemalten Verzierungen.

Das Prachtexemplar habe schon damals 100 rheinische Gulden gekostet - soviel, wie ein schönes Patrizierhaus, berichtete Bibliotheksdirektorin Barbara Schneider-Kempf. «Das zeigt, mit welch großem Wurf der Kurfürst an die Bibliothek herangegangen ist.» In der Ausstellung ist der zweite Band mit dem Beginn des Matthäus-Evangeliums zu sehen. Der erste Band war im vergangenen Jahr erstmals auf Auslandsreise gegangen - nach Seoul, mit einem Versicherungswert von 25 Millionen Euro.

1780 zog die inzwischen zur «Königlichen Bibliothek» umgetaufte Einrichtung in die «Kommode» am Berliner Opernplatz und fand 1914 ihr endgültiges Stammhaus an der Prachtmeile Unter den Linden. Nach einer Aufteilung des Bestands während der Deutschen Teilung ist die Stabi inzwischen eine Bibliothek in zwei Häusern: Neben dem Stammhaus gibt es seit 1978 den spektakulären Neubau («Bücherschiff») von Hans Scharoun am Potsdamer Platz. Beide Standorte werden für zusammen mehr als 450 Millionen Euro modernisiert.

Wermutstropfen für das Jubiläumsjahr: Die eigentlich geplante Wiedereröffnung des im Krieg zerstörten Lesesaals Unter den Linden verzögert sich (mindestens) bis zum Frühjahr des nächsten Jahres. Das spezielle Glas für den vom Architekten HG Merz geplanten Kubus musste erst in einem langen Verfahren geprüft und genehmigt werden.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer