Meisterhaus
Das Meisterhaus von Walter Gropius (1883-1969). Foto: Peter Endig

Das Meisterhaus von Walter Gropius (1883-1969). Foto: Peter Endig

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Das Meisterhaus von Walter Gropius (1883-1969). Foto: Peter Endig

Dessau-Roßlau (dpa) - Kein Blick dringt durch die Fenster nach innen, aber auch kein Blick nach außen. Und genau das ist bei den zwei neuen Häusern im Ensemble der zum Unesco-Welterbe zählenden Dessauer Meisterhaussiedlung auch so gewollt. Ebenso die hohe Mauer um das Gebäudeensemble.

Besucher sollen neugierig werden, sich auseinandersetzen mit der Geschichte des Bauhauses, seiner Zeit, dem neuen Denken damals und heute, erklärte die stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Regine Bittner, in Dessau-Roßlau. Am diesem Freitag werden die Gebäude nach rund vierjähriger Bauzeit von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet.

Damit sei nach fast 70 Jahren auch die «Fehlstelle» - so Dessaus Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) - in der Meisterhaussiedlung wieder geschlossen. Dessau wolle künftig die Bauhausstadt in Deutschland sein: «Das Bauhaus ist nirgendwo so präsent wie hier.»

In Deutschland wird das Bauhaus-Erbe zudem am Ursprungsort Weimar sowie in Berlin, wohin die Design- und Architekturschmiede unter dem Druck der Nazis von Dessau aus ging und sich 1933 auflöste. Die Siedlung der weißen Wohn- und Atelierhäusern in Dessau hatte 1925/1926 der Architekt und Bauhausgründer Walter Gropius (1883-1969) entworfen: ein frei stehendes Haus für sich, drei Doppelhäuser für Bauhauslehrer, die Meister genannt wurden. Die Siedlung galt als ein Schaufenster des neuen Wohnens, eine Gropius-Siedlung in Berlin indes jahrelang als ein sozialer Brennpunkt.

Im März 1945 fiel Dessau bei einem Bombenangriff fast komplett in Schutt und Asche. In der Meisterhaussiedlung wurden das Gropius-Haus und das Haus von Lászlo Moholy-Nagy (1895-1946) zerstört. Ab 1992 wurde in Dessau über die Zukunft der einstigen avantgardistischen Künstlerkolonie teils kontrovers diskutiert.

2013 übertrug die Kommune die Siedlung der Stiftung Bauhaus Dessau. Eine «architektonische Weltsensation» und «weitere Leuchttürme», nannte der Vorsitzende des Bauhaus-Stiftungsrates, Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD), die beiden neuen Bauten. Eine reine Rekonstruktion der Originale sei aber nicht gewollt gewesen. Denn es sei darum gegangen, «Zeugnisse von Gewalt nicht zu tilgen», erläuterte Landeskonservatorin Ulrike Wendland.

Ein Wagnis gingen nach eigenen Angaben die Architekten ein, zumal die Siedlung mit dem Welterbe-Status nicht irgendwie verändert werden konnte. Sie stellten sich die Frage: «Wie geht man mit Vergangenheit um, mit Schmerz und Leidenschaft», sagte José Gutierrez Marquez vom Berliner Architektenbüro Bruno Fioretti Marquez. Innenräume setzte der Künstler Olaf Nicolai mit Wandarbeiten und Licht in Szene.

«Jeder kann sehen, dass die Zeit von 1933 bis 1989 Spuren hinterlassen haben», sagte Wendland mit Blick auf Fotos der Siedlung im neuen Gropius-Haus. Nach der Vertreibung des Bauhauses auf Druck der Nazis, zogen in die Häuser Testpiloten der Junkers-Werke, eines der größten Rüstungsbetriebe, ein. Zu DDR-Zeiten waren die Meisterhäuser Wohnhäuser und waren 1989 von Verfall gezeichnet.

Beim Wiederaufbau der Meisterhäuser ging es laut Stiftung darum, auch mit Hilfe zeitgenössischer Ausdrucksformen an die Geschichte des Bauhauses, dessen Zerstörung durch die Nazis, an Dessau als Zentrum der Kriegswirtschaft und Rüstungsindustrie zu erinnern.

Dazu ist auch seit Mittwoch im Bauhaus Dessau eine Ausstellung unter dem Titel «Dessau 1945 - Moderne zerstört» zu sehen. Gezeigt werden rund 30 Bilder des französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908-2004). Er hatte im Sommer 1945 in Dessau die Rückkehr französischer Zwangsarbeiter festgehalten.

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