Francis Bacon
«Three Studies of Lucian Freud» von Francis Bacon. Foto: Christie's Handout

«Three Studies of Lucian Freud» von Francis Bacon. Foto: Christie's Handout

dpa

«Three Studies of Lucian Freud» von Francis Bacon. Foto: Christie's Handout

London (dpa) - Das Jahr 2013 hat eine «neue Ära auf dem Kunstmarkt eingeläutet.» So jedenfalls sieht es der Chefauktionator von Christie's, Jussi Pylkkänen.

Die Interessenten seien zunehmend global aufgestellt und hätten das gemeinsame Ziel, «das Beste» zu kaufen, sagte Pylkkänen der Nachrichtenagentur dpa in London. «Der Horizont hat sich verändert und erweitert. Wenn heute ein wirklich großartiges Kunstwerk auf den Markt kommt, ist es nur noch eine Frage, wie viele Bieter sich darum streiten.»

Pylkkänen war es, der im November in New York das Triptychon «Three Studies of Lucian Freud» von Francis Bacon für 142,4 Millionen Dollar (106 Millionen Euro) versteigert hat - Rekord für das teuerste Kunstwerk der Auktionsgeschichte. «Es war ein historischer Abend», sagte Pylkkänen. Einen Gesamterlös von fast 700 Millionen Dollar bei jener Auktion habe er sich niemals träumen lassen. Die Wende auf dem Kunstmarkt habe sich aber schon Monate vorher bei den Frühjahrsauktionen abgezeichnet, als eine «erhebliche Anzahl» von Klienten für Werke impressionistischer und moderner Kunst mit ihren Geboten die 20 Millionen Dollar-Marke überschritten.

Über die vergangenen fünf Jahre seien immer mehr Interessenten aufgetaucht, die «nur noch das Allerbeste wollen», sagte Pylkkänen, Christie's-Chef für Europa, den Nahen Osten, Russland und Indien. Diese Einzelpersonen, Museen oder Institutionen wüssten sehr genau, dass zum Beispiel im Bereich der Nachkriegskunst noch viele große Werke auf den Markt kommen werden. «Wir werden noch mehr Preise um die 100 Millionen Dollar-Marke erleben», ist Pylkkänen überzeugt.

Der «nachweisliche Enthusiasmus» der Käufer habe sich auf die Besitzer von Kunst übertragen und ihr Vertrauen in den Markt beflügelt. «Tatsache ist, dass die Eigentümer von Kunst der vergangenen 70 Jahre jetzt damit die Realität eines erfolgreichen Verkaufs verbinden können.» Schon für die großen Auktionen dieses Jahres in London und New York habe Christie's Kunst von «außergewöhnlichem Kaliber» angeboten bekommen, und für 2014 gehe es damit weiter. Qualität und Kunstleidenschaft blieben die treibenden Kräfte auf dem internationalen Markt.

Nach Christie's' erster, unabhängiger Auktion auf dem chinesischen Festland (Shanghai) im September ist die Tür für neue Käufer «weit offen», so Pylkkänen. Nicht nur Picasso und Warhol, sondern auch Rembrandt und Michelangelo seien in Shanghai gut angekommen. «Die Chinesen kaufen Picassos, wo immer sie auftauchen,» sagte Pylkkänen. In China will Christie's seine Präsenz ebenso ausbauen wie in Indien und in Russland. Dabei hat das Auktionshaus das Beispiel von Dubai im Auge, wo das Netzwerk von Händlern seit 2005 von sechs auf 80 angewachsen sei.

Dennoch blieben die neuen Märkte im internationalen Rahmen «nur ein kleiner Teil der Wahrheit.» Der Kunstmarkt werde nach wie vor von Käufern aus Europa und den USA bestimmt. «Aber die Proportionen und Prozentanteile werden sich unweigerlich angleichen. Das ist noch nicht passiert, aber es wird passieren,» sagte Pylkkänen. Trotz seines Optimismus will er für das das Auktionshaus für 2013 aber keinen finanziellen Rekord voraussagen. Die Jahresbilanz wird im Januar vorgelegt. «Es wird einen Rekord an neuen Käufern und an großen Kunstwerken geben, und diese beiden Faktoren treiben unweigerlich die Ergebnisse hoch», sagte Pylkkänen.

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