Hamburg/Bonn (dpa/tmn) - Obwohl die Unfallstatistiken zunehmend Positiv-Tendenzen aufzeigen, gibt es immer noch viele schwere Unfälle mit Fußgängerbeteiligung. Experten raten, das Tempo der Situation anzupassen und nicht auf die Höchstgeschwindigkeit zu bestehen.

Viele Autofahrer unterschätzen, wie gefährlich sie mit Tempo 50 Fußgängern werden können. Darauf weist Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) hin. «Im Auto fühlt sich der Unterschied zwischen 30 und 50 km/h nicht besonders groß an, bei einer Kollision mit einem Fußgänger ist er allerdings gravierend», betont Rademacher und rät, das Tempo immer der Situation anzupassen, statt grundsätzlich so schnell wie erlaubt zu fahren.

Die Differenz von 20 km/h könne bei einem Fußgängerunfall im Stadtverkehr über Leben und Tod entscheiden, berichtet die am Freitag (27. April) erscheinende Zeitschrift «Auto Bild». Gemeinsame Crashtests mit der Prüforganisation Dekra hätten gezeigt, dass ein Fußgänger, der von einem Auto mit Tempo 30 erfasst wird, den Unfall sehr wahrscheinlich mit vergleichsweise leichten Verletzungen überlebt. Bei einer Kollision mit 50 km/h oder mehr sehe die Sache anders aus: Dann seien lebensgefährliche oder sogar tödliche Verletzungen sehr wahrscheinlich.

Nach einem Crashversuch mit 30 km/h ließen die Spuren an Auto und Dummy laut dem Bericht auf Schürfwunden und vereinzelte Knochenbrüche schließen, aber nicht auf lebensgefährliche Verletzungen. Der Test mit Tempo 50 ging weniger glimpflich aus: Ein solcher Unfall hätte mit großer Wahrscheinlichkeit Brüche an Hüfte, Beinen, Armen und im Schulterbereich sowie ein lebensbedrohliches Schädel-Hirn-Trauma durch den Kopfaufprall auf die Frontscheibe zur Folge gehabt. Bei 65 km/h ließen die Unfallspuren auf Knochenbrüche am ganzen Körper und ein schweres und vermutlich tödliches Schädel-Hirn-Trauma schließen.

Die Crashtests wurden mit baugleichen VW Golf III und einem Dummy mit Größe und Gewicht eines erwachsenen Mannes absolviert. Ein Kind wäre bei den Unfällen wegen seiner geringeren Körpergröße voraussichtlich schwerer verletzt worden.

Zunehmend bemühen sich die Autohersteller um die Verbesserung des Fußgängerschutzes bei ihren Modellen, zumal dieser neuerdings bei der Benotung der Fahrzeugsicherheit durch die Organisation Euro NCAP (European New Car Assessment Programme) in Brüssel einen höheren Stellenwert hat. Zu den Schutzvorrichtungen gehören Motorhauben, die sich bei einer Kollision mit einem Passanten leicht aufstellen, um den Aufprall abzuschwächen, und automatische Notbremssysteme. Den ersten Fußgängerairbag wird der schwedische Autobauer Volvo im Herbst mit dem neuen Kompaktmodell V40 auf den Markt bringen. Dieser Airbag legt sich außen über den Scheibenrahmen.

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