Todesrisiko Landstraße
Auf Landstraßen passieren die meisten tödlichen Unfälle. Eine neue Gestaltung der Fahrbahnen soll für mehr Sicherheit sorgen. Foto: Stephan Konjer

Auf Landstraßen passieren die meisten tödlichen Unfälle. Eine neue Gestaltung der Fahrbahnen soll für mehr Sicherheit sorgen. Foto: Stephan Konjer

dpa

Auf Landstraßen passieren die meisten tödlichen Unfälle. Eine neue Gestaltung der Fahrbahnen soll für mehr Sicherheit sorgen. Foto: Stephan Konjer

Berlin (dpa) - In einigen Gegenden gibt es sie schon: Landstraßen mit dreispurigen Abschnitten zum sicheren Überholen. Neue Richtlinien sehen so etwas für bestimmte Strecken durchgehend vor - und eine neue Asphaltfarbe.

Sie sind wichtige Verbindungsadern und zugleich ein ziemlich risikoträchtiges Pflaster: 220 000 Kilometer Landstraßen ziehen sich quer durch die Republik. Und auf Strecken außerhalb der Orte passieren die meisten tödlichen Unfälle. Um mehr Sicherheit zu erreichen, setzen Experten auf eine neue Gestaltung der Fahrbahnen. Für große, viel genutzte Landstraßen sollen drei Spuren Standard werden - eine je abwechselnd zum Überholen in jeder Richtung. Neue Markierungen sollen Autofahrern bessere Orientierung bieten. Bis das Konzept im bundesweiten Netz sichtbar wird, dürfte es aber dauern.

Warum sind Landstraßen Unfallschwerpunkte?

Fast drei Viertel der Unfälle auf deutschen Straßen geschehen innerorts. Doch auf Landstraßen ist das «Todesrisiko» am höchsten, wie das Statistische Bundesamt registriert. Im Jahr 2012 kamen dort 2151 Menschen ums Leben - knapp 60 Prozent aller Verkehrstoten. Landstraßen gelten generell als «gefährlicher», da außerorts viel schneller gefahren wird. Häufig kommt es in Kurven zu Unfällen oder Autos prallen gegen Bäume. Unter Landstraßen verstehen Planer dabei Straßen außerhalb bebauter Gebiete, dazu gehören die Landes-, Staats- und Kreisstraßen sowie 39 700 Kilometer Bundesstraßen.

Was hat die Gestaltung der Fahrbahnen damit zu tun?

Markierungen und besondere Oberflächen können einiges zur Unfallvermeidung beitragen. Der ADAC macht sich zum Beispiel für seitliche «Rumpelstreifen» stark. «Dann spürt der Fahrer unmittelbar, wenn er vom Straßenverlauf abweicht, und kann frühzeitig reagieren», erläutert der Autofahrerclub. Als generelle Basis für die Planungen gibt es «Richtlinien für die Anlage von Landstraßen» (RAL). Die seit den achtziger und neunziger Jahren bestehenden Vorgaben wurden im Sommer 2013 grundlegend aktualisiert. «Ziel ist, einen möglichst sicheren, leistungsfähigen Verkehrsablauf zu ermöglichen», heißt es im Bundesverkehrsministerium. Gelten soll das Regelwerk für den Bau neuer Trassen und für Um- und Ausbauten, die der Bund finanziert.

Was sieht das neue Konzept für große Landstraßen vor?

Große und viel befahrene Landstraßen, die für Fernverbindungen wichtig sind, sollen künftig durchgängig drei Fahrstreifen haben. Dabei dient der mittlere abwechselnd als Überholspur für die eine und für die andere Richtung. Als deutlichere optische Trennung soll in der Mitte dazwischen ein neuer, ein Meter breiter Asphaltstreifen in der Farbe «Verkehrsgrün» eingefärbt werden. Dadurch ist die riskante Nutzung der Gegenfahrbahn fürs Überholen nicht mehr erforderlich, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen erläutert. Nötige «Zeitlücken» im Gegenverkehr seien oft nicht mehr da, hat auch der ADAC beobachtet.

Was wird noch festgelegt?

Für größere, ebenfalls überregional wichtige Landstraßen sollen dreispurige Abschnitte in regelmäßigen Abständen Standard werden. Die mittlere Trennung zeigtdann durchgezogene weiße Doppellinien an. Für kleine Nahbereichsstraßen mit wenig Verkehr sieht das Konzept nur eine breite Spur ohne Mittelmarkierung vor - und jeweils gestrichelte Markierungen an beiden Seiten, die überfahren werden dürfen, wenn sich zwei Wagen begegnen. Übergeordnete Idee ist auch, dass Fahrer sich schon durch die Gestaltung darauf einstellen können, was sie auf einer bestimmten Straße erwartet. So sollen Fernstraßen der obersten Kategorie kreuzungsfreie Ein- und Ausfahrten wie Autobahnen haben.

Wie geht es weiter?

Die neuen Richtlinien hätten viele Elemente, die zu einer besseren Verkehrssicherheit beitragen könnten, sagt ADAC-Experte Christoph Hecht. Richtig Wirkung zeigen dürften sie jedoch erst, wenn das Netz in großen Teilen umgestellt sei. Bund, Ländern und Gemeinden fehlen aber schon jetzt Milliarden, um Straßen und Brücken in Schuss zu halten. Bis die Landstraße der Zukunft Standard wird, dürfte es wohl Jahre dauern. Das Netz der Bundesstraßen solle schrittweise auf Basis des neuen Konzepts gestaltet werden, heißt es im Verkehrsministerium. Und zwar «im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel».

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