Wer eine Kfz-Versicherung abschließen muss, darf sich freuen: Durch den harten Wettbewerb sind die Prämien im vergangenen Jahrdeutlich gesunken. Viele Autofahrer vergleichen regelmäßig die Kosten und wechseln gegebenenfalls sogar jährlich die Versicherung. Der Preiskampf im Bereich der Autoversicherungen mit neuen, teils datenbasierten Versicherungsangeboten geht somit weiter. Ein Tarifvergleich lohnt sich vor allem für Fahranfänger.

Bei der letzten Welle an Wechslern im November 2015 hat die Allianz von einem großen Anstieg bei der Zahl der versicherten Fahrzeuge profitiert, wie sie nun bekannt gab. Sie konnte im vergangenen Jahr einen Zuwachs um 10.000 versicherte Autos verzeichnen. Etwa die Hälfte davon gewann der Versicherungsriese zum Stichtag dazu. Jährlich wechseln etwa drei Millionen Autobesitzer in Deutschland die Kfz-Versicherung (wir berichteten). Die Versicherungsgesellschaft HUK-Coburg, größter Konkurrent der Allianz, hat seine Zahlen für 2015 noch nicht veröffentlicht. Sie hatte die Allianz vor einigen Jahren bei der Zahl der versicherten Wagen überholt. Im Jahr zuvor betrug der Vorsprung noch mehr als 10 Millionen Verträge.

Worauf sollte beim Tarifvergleich geachtet werden?

Der genaue Vergleich der gesunkenen Prämien lohnt sich besonders für Fahranfänger. Sie gelten bei Versicherern als unbeschriebenes Blatt mit einem hohen Unfallrisiko und werden entsprechend hoch eingestuft. Verkehrsexpertin Bianca Boss empfiehlt besonders jungen Fahranfängern, ihr Auto zunächst über die Eltern als Zweitwagen versichern zu lassen. Dies könne zu einem günstigeren Schadenfreiheitsrabatt führen. Sie rät ebenfalls, genau auf die Versicherungsbedingungen der einzelnen Angebote zu achten. So sei es wichtig, "dass eine 100-Millionen-Euro-Deckung herrscht". Diese ist zum Beispiel als fester Bestandteil in die Autoversicherung des größten Direktversicherers in Deutschland, CosmosDirekt, integriert. Beim Kaskoschutz sei auch auf vollständige Kostenübernahme bei grob fahrlässigem Verkehrsverhalten zu achten.

Welche neuen Entwicklungen gibt es?

Die Prämien für Autoversicherungen werden normalerweise anhand von Typklasse, Regionalklasse und Risikozuschlägen berechnet. Hierzu werden Vergleichsdaten aus Unfallstatistiken herangezogen. Diese Herangehensweise könnte sich jedoch in Zukunft ändern. So planen mehrere Versicherer, in diesem Jahr im großen Stil Telematik-Tarife einzuführen. Bei diesen Tarifen richtet sich die Einstufung nach dem Fahrverhalten des Autobesitzers. Dieses wird mithilfe einer ins Auto eingebauten Box analysiert. Gerade erst wurde die Testphase des Anbieters S-Direkt beendet. Ganz ausgereift sind die bestehenden Telematik-Angebote jedoch noch nicht: Der S-Direkt-Chef zeigte sich mit dem Kundenfeedback zwar sehr zufrieden, doch um wirkliche Preisvorteile zu erzielen, seien noch nicht genug Vergleichsdaten im Umlauf, bemängelt Towers Watson-Director Gero Nießen. Viele Nutzer seien bereit, für einen solchen Vorteil ihre Daten zu übermitteln, so der Sachversicherungsexperte gegenüber der Versicherungswirtschaft heute.

Generell zeichnet sich ein Trend hin zu solchen nutzerbasierten Tarifen ab. In den USA sind bereits "Life Management"-Tarife in Planung, bei denen nicht mehr das Fahrzeug, sondern der Fahrer im Mittelpunkt steht. Für Autobesitzer in Deutschland ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die kommenden Tarife. Ein jährlicher Wechsel mit dem dazugehörigen, relativ aufwendigen Angebotsvergleich, ist jedoch nicht jedes Mal zwingend nötig.



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