Medizin gegen den Rost
Rost ist am Young- oder Oldtimer eine unschöne Sache - gegen ihn hilft nur grundlegende Arbeit am nackten Blech. Foto: Tobias Kleinschmidt

Rost ist am Young- oder Oldtimer eine unschöne Sache - gegen ihn hilft nur grundlegende Arbeit am nackten Blech. Foto: Tobias Kleinschmidt

dpa

Rost ist am Young- oder Oldtimer eine unschöne Sache - gegen ihn hilft nur grundlegende Arbeit am nackten Blech. Foto: Tobias Kleinschmidt

Baunatal/Berlin (dpa/tmn) - Wer einen Young- oder Oldtimer besitzt, erlebt immer wieder böse Überraschungen. Rostbläschen am Schweller, Kotflügel oder im Motorraum. Welche Mittel im Kampf gegen Korrosion wirklich helfen, verraten Experten.

Walter Wieddekind, Kfz-Meister und ehemaliger Rennfahrer aus Baunatal, schwor schon in den 1960er Jahren auf Rizinusöl. Und zwar nicht gegen Verstopfung oder Hautkrankheiten, sondern als Bestandteil seines persönlichen Rostschutzes für Autos.

Wieddekind verwendet zur Rostvorsorge noch heute die altbewährten säurefreien Öle, auch wenn das Rizinusöl mittlerweile daraus fast verschwunden ist. «Früher gab es eigentlich keine besonderen Mittel gegen Rost», sagt Wieddekind, der mit seinem Sohn in einer Baunataler Werkstatt Old- und Youngtimer restauriert. «Da haben wir genommen, was uns plausibel erschien. Und wo Fett und Öl ist, da ist kein Rost.»

Als Paradebeispiel dient Wieddekind ein Fiat 130 vom Baujahr 1971, dessen Kotflügel schon nach vier Jahren durchgerostet waren. «Wir haben ihn 1975 komplett entlackt und mit rizinushaltigem Motor- und Getriebeöl aus dem Rennsport gegen neuen Rostbefall präpariert.» Noch heute ist die sechszylindrige Limousine im Einsatz, ohne dass nachgebessert werden musste. Auch bei seinen aktuellen Restaurierungsobjekten zieht der Schrauber für die besonders problematischen Hohlräume Öl vor, da es im flüssigen Zustand dort gut zu versprühen ist.

Rost an oberflächlichen Lackschäden ist schnell entfernt. Doch oft wird er außen erst sichtbar, wenn er sich von innen durchgefressen hat. Wilhelm Erning von der Bundesanstalt für Materialforschung erläutert: «Die selbsttragenden Karosserien, die man seit den 1950er Jahren baut, brachten Hohlräume und größere Innenflächen mit sich, die oft nicht gegen Korrosion geschützt waren.» Zum Beispiel Schweller, Träger und Fahrwerksteile.

Damit entfernter Rost nicht wieder aufblüht, empfiehlt der Experte, Flächen wie Unterboden oder Kotflügel, die mit der Umwelt in direkten Kontakt kommen, neu zu lackieren und dann eine Schicht aus Fetten oder Wachsen aufzubringen. In Internetforen kursieren als Geheimtipps auch selbst anzurührende Mischungen mit Vaseline und Bienenwachs.

Bei einer tiefergehenden Restaurierung rät Erning zu einem aktuellen Verfahren aus dem Neufahrzeugbau: Verzinkte Bleche einer kathodischen Tauchlackierung (KTL) unterziehen und die Hohlräume mit Wachs versiegeln. «Das lohnt sich aber erst bei entsprechend wertvollen Fahrzeugen.»

Der wichtigste Schritt zu einer vorbeugenden Behandlung ist die richtige Entrostung. «Ein dauerhafter Beschichtungsaufbau lebt davon, wie gut der Untergrund vorbereitet wurde», so Erning. Neben dem Rost müssten auch Reste von Salzen entfernt werden, sie störten die Haftung der neu aufzutragenden Produkte.

Weil sich Rost aber selten überall komplett entfernen lässt, müssen Fette und Öle auch direkt auf den Rostresten haften können. Die größte Herausforderung der Produktentwickler liegt hier in der Auswahl und der Dosierung der Bestandteile. «Fette kapseln Rost und Dreck ein, und der weitere Kontakt des Blechs mit Luft und Feuchte wird verhindert», beschreibt Erning den Idealfall.

Ein Experte der Rostbekämpfung ist auch Gerd Cordes. Der Hamburger betreibt ein Unternehmen, das die Entrostung mit Trockeneis sowie Rostschutz und Lackierung mit selbst entwickelten Produkten anbietet. 1984 begann er als Jugendlicher, Tests an rostigen Kaffeedosen durchzuführen.

Heute verwendet Cordes überwiegend dickflüssige, lösemittelfreie Fettprodukte für den Hohlraumschutz. Er manipuliert den Schmelzpunkt seiner Fette so, dass sie im Sommer nicht flüssig wieder unten aus dem Auto herauslaufen. Doch bei aller Findigkeit seiner Verfahren befolgt auch Cordes bei seiner Arbeit zwei Grundsätze: Erst den Untergrund sorgfältig vorbereiten, dann Rostschutzmittel mit hohen Fett- und Ölanteilen auftragen.

Ihr Erfolg gibt den Experten recht: Belege für ihr Können sind etwa ein von Cordes in den 1980er Jahren bearbeiteter Fiat 850 Spider und ein 1978 von Wieddekind mit Rizinus konservierter Fiat 130: Beide stehen heute noch glänzend da.

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