Handy am Steuer ist lebensgefährlich
In der einen Hand das Handy, in der anderen das Lenkrad - das ist verboten und lebensgefährlich. Foto: Arno Burgi

In der einen Hand das Handy, in der anderen das Lenkrad - das ist verboten und lebensgefährlich. Foto: Arno Burgi

dpa

In der einen Hand das Handy, in der anderen das Lenkrad - das ist verboten und lebensgefährlich. Foto: Arno Burgi

Tucson (dpa) - Schnell noch eine Nachricht ins Smartphone tippen, die Straße ist ja frei. So denken viele Autofahrer, bevor es kracht. Amerikanische Wissenschaftler haben nun erforscht, wie Fahrern die Handy-Nutzung abgewöhnt werden kann. Es ist einfacher als gedacht.

Einfachste Aufklärungskampagnen reichen aus, damit wesentlich weniger Menschen ein Handy am Steuer nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Arizona, die beim Jahreskongress der US-amerikanischen chirurgischen Fachgesellschaft «American College of Surgeons» vorgestellt wurde.

Ein Team um den Traumachirurgen Bellal Joseph entwarf eine Studie, mit der zum einen festgestellt werden sollte, wie weit verbreitet abgelenktes Fahren unter dem medizinischen Personal der Universität von Arizona war. Zum anderen sollte das Bewusstsein für die Risiken geschärft werden. Das Ergebnis: Die Zahl der Fahrer, die am Steuer etwa telefonierten oder texteten, reduzierte sich um die Hälfte.

Zunächst observierten die Forscher die Ausfahrt des Angestelltenparkplatzes der Universität und zählten eine Woche lang, wie oft Pfleger und Ärzte abgelenkt wegfuhren. Es folgten eine Umfrage und eine Aufklärungskampagne. In der Umfrage gaben 35,5 Prozent der Befragten zu, sich beim Fahren ablenken zu lassen. 4,5 Prozent hatten gar schon einen Unfall deswegen.

Schließlich wurden die Teilnehmer darüber aufgeklärt, warum es gefährlich ist, am Steuer Geräte zu bedienen, die in der Hand gehalten werden müssen. So entspreche etwa die Nutzung eines Handys beim Fahren einem Blutalkoholspiegel von 0,8 Promille - gesetzlich würde man mit solch einem Pegel als fahruntüchtig gelten. Zudem koste das Schreiben einer SMS im Durchschnitt fünf Sekunden der Aufmerksamkeit, die eigentlich der Straße gelten sollte. Fahre man mit knapp 90 Stundenkilometern sei das, als ob man ungefähr über die Länge eines Fußball-Feldes mit verbundenen Augen rase.

Gleichzeitig hängten die Wissenschaftler Aufklärungsposter in der Cafeteria aus und verteilten Informationsbroschüren über abgelenktes Fahren. In einer zweiten Umfrage gaben 77 Prozent an, sich nun besser informiert zu fühlen, 91 Prozent befürworteten Gesetze gegen abgelenktes Fahren.

Schließlich kehrten die Mediziner noch einmal zum Angestelltenparkplatz zurück und beobachteten das Fahrverhalten des Personals eine weitere Woche. Zudem wurde sechs Monate nach der Intervention eine dritte Umfrage erstellt. Insgesamt machten die Forscher somit mehr als 15 000 Beobachtungen vor der Studie sowie direkt danach und ein halbes Jahr später. Die Anzahl der Fahrer, die abgelenkt fuhren, ging nach diesen Daten um 50 Prozent zurück. Und: Der Effekt hielt auch noch ein halbes Jahr nach der Kampagne an.