EuGH-Urteil zu Führerscheinen
Mindestens ein halbes Jahr muss ein Autofahrer in einem EU-Land leben, damit die Behörden in Deutschland seinen Führerschein akzeptieren. Foto: Patrick Pleul

Mindestens ein halbes Jahr muss ein Autofahrer in einem EU-Land leben, damit die Behörden in Deutschland seinen Führerschein akzeptieren. Foto: Patrick Pleul

dpa

Mindestens ein halbes Jahr muss ein Autofahrer in einem EU-Land leben, damit die Behörden in Deutschland seinen Führerschein akzeptieren. Foto: Patrick Pleul

Luxemburg (dpa) - Es gibt Grenzen für den sogenannten Führerscheintourismus. Die höchsten EU-Richter haben entschieden, dass ausländische Führerscheine grundsätzlich in allen EU-Ländern gelten. Aber nur dann, wenn sie rechtmäßig erworben wurden. Mit Wohnsitz im Ausland.

Ein Führerschein, der im Urlaub im Ausland gemacht wird, ist in Deutschland ungültig. «Ein Ferien-Führerschein wird hier nicht anerkannt», erläutert Markus Schäpe, Rechtsexperte beim ADAC in München. Mindestens ein halbes Jahr müsse ein Autofahrer in einem EU-Land leben, damit die Behörden in Deutschland seinen Führerschein uneingeschränkt akzeptieren. «Dahinter steckt der Gedanke: Ich muss zunächst einmal dort mit den Verkehrsverhältnissen zurecht kommen, wo mein Lebensmittelpunkt ist.»

Für Austauschschüler zum Beispiel, die typischerweise die zehnte oder elfte Klasse im Ausland verbringen, sei die Fahrerlaubnis aus einem anderen EU-Land eine legale Alternative zum deutschen Führerschein, erklärt Schäpe. Gleiches gilt für den, der für ein Studium oder aus beruflichen Gründen mehr als sechs Monate im EU-Ausland verbringt. Anders sieht es bei Nicht-EU-Länder aus. Bei einem Führerschein aus den USA hänge es zum Beispiel vom jeweiligen Bundesstaat ab, ob ein Fahranfänger die theoretische oder praktische Prüfung in Deutschland nachholen müsse.

Rechtlich lange umstritten war die Situation für Autofahrer, die ihren Führerschein in Deutschland bereits wegen Alkohol- und Drogendelikten verloren hatten und nicht mehr wiederbekamen. Wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag (1. März) in Luxemburg entschied, darf Deutschland die Anerkennung eines ausländischen Führerscheins aus diesen Gründen zwar nicht generell verweigern - sehr wohl aber, wenn der Autofahrer in dem Land, in dem der Führerschein ausgestellt wurde, überhaupt keinen Wohnsitz hat. Ein «Ferien-Führerschein» ist also in jedem Fall ungültig.

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