Stauassistent von Audi
Einfach mal die Hände in den Schoß legen: Mit einem autarken Stauassistenten will Audi genau das möglich machen - zumindest bei Stopp and Go bis Tempo 60. Foto: Audi

Einfach mal die Hände in den Schoß legen: Mit einem autarken Stauassistenten will Audi genau das möglich machen - zumindest bei Stopp and Go bis Tempo 60. Foto: Audi

Winken statt Klicken: Bei Kia soll das Auto von morgen vor allem durch Gesten des Fahrers bedient werden. Foto: Thomas Geiger

Mercedes arbeitet am lernenden Auto, das die Wünsche und Bedürfnisse des Fahrers irgendwann vorhersagen kann - zum Beispiel Musikgeschmack, Fahrziele und Klimaeinstellungen. Foto: Thomas Geiger

dpa, Bild 1 von 3

Einfach mal die Hände in den Schoß legen: Mit einem autarken Stauassistenten will Audi genau das möglich machen - zumindest bei Stopp and Go bis Tempo 60. Foto: Audi

Las Vegas (dpa/tmn) - Ein Auto, das die Wünsche seines Fahrers kennt, sich autonom durch den Verkehr bewegt und nebenbei daheim die Heizung programmiert - das kennt man bislang nur aus dem Kino. Doch die CES zeigt: Rollende Supercomputer könnten bald Wirklichkeit sein.

David Hasselhoff steuerte seinen Wunderwagen in der Serie «Knight Rider» per Sprache und war dabei häufig nicht einmal selbst an Bord. Damals in den Achtzigern erschien das vernetzte Auto ebenso unrealistisch wie autonomes Fahren. Doch wer heute über die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas (7. bis 10. Januar) geht, für den sind solche Szenarien keine Utopie mehr.

Auf der Elektronikmesse zeigen Autobauer und ihre Zulieferer, dass die Smart-Watch am Handgelenk längst Kilometerstand und Reichweite des Fahrzeugs kennt. Ein anderes Beispiel: Die Datenbrille von Google ist mit der Navigation verknüpft. Und auf dem Tablet-Computer kann man Routen planen und nachverfolgen.

Assistenzsysteme werden zum Autopiloten, die den Wagen auch ohne Zutun des Fahrers sicher ans Ziel bringen. Schon heute sei das Auto der ultimative mobile Computer, sagt Jen-Hsun Huang, Präsident des Chipherstellers Nvidia. «Und mit den neuen mobilen Superprozessoren werden futuristische Fahrzeugfunktionen aus unseren Träumen nicht länger Science-fiction bleiben.»

Jede Menge Zukunftstechnik ist in den Messehallen in Las Vegas bereits heute zu sehen und wird auf der Straße in Prototypen ausprobiert. Audi zum Beispiel demonstriert das autonome Parken, bei dem der Fahrer neben dem Auto steht, und verspricht dafür schon in den nächsten zwei, drei Jahren die Serienreife. Außerdem zeigen die Ingolstädter einen völlig autarken Stauassistenten, der dem Fahrer durch Eingriffe in Lenkung, Gas und Bremse schon im nächsten A8 in zwei Jahren bis Tempo 60 längere Pausen ermöglichen soll.

Der i3 von BMW rangiert von alleine in die Lücke, während der Fahrer nur noch einen Knopf festhalten muss. Mit einem autonom driftenden 2er will der Autobauer die Freude am (Mit-)Fahren demonstrieren. Mit diesen Übungen im Grenzbereich wappnen die Bayern ihre Modelle nach Angaben von Entwicklungsleiter Werner Huber für besonders kritische Situationen im pilotierten Betrieb und bereiten zugleich die Einführung neuer Hilfssysteme vor, etwa die eines Ausweichassistenten.

Dritter Schwerpunkt neben der zunehmenden Automatisierung der Fahrfunktionen und der immer engeren Verknüpfung mit der digitalen Lebenswelt sind in Las Vegas neue Anzeige- und Bedienkonzepte: Kia zum Beispiel demonstriert, wie das Auto von Morgen Gesten erkennen kann. Allein mit dem Winken vor einem Kameraauge soll der Fahrer so zum Beispiel das Musikprogramm ändern können.

Audi zeigt ein digitales Kombiinstrument mit einer so aufwendigen Grafik, dass der zweite Monitor fürs Infotainment überflüssig wird. Daneben gibt es einen eigenen Tablet-Computer. Er dient im Fahrzeug als Infotainment-Bildschirm und Fernbedienung.

Mit immer weniger Bedienschritten will Mercedes auskommen und die Wünsche des Fahrers deshalb automatisch vorhersagen. Dafür lernen die Autos der Schwaben nach Angaben von Forschungschef Thomas Weber typische Routinen und Verhaltensmuster der Insassen und schließen daraus auf kommende Fahrziele, den aktuellen Musikgeschmack oder die bevorzugte Klimaeinstellung.

«Darauf müssen wir nicht mehr lange warten», sagt Weber. Er rechnet mit wenigen Jahren bis zur Serieneinführung. Das Audi-Cockpit kommt sogar schon in diesem Sommer im neuen TT, und das eigene Tablet dann im nächsten Jahr mit dem Generationswechsel beim Q7, bestätigt ein Entwickler. Nur von Kia gibt es noch keinen Zeitrahmen für das neue Bediensystem.

Zwar bewegt sich die Autoindustrie zwischen all den Hard- und Software-Spezialisten, Mobilfunk- und Internetanbietern in Las Veags noch auf ungewohntem Terrain. «Doch die elektronische Ausstattung im Fahrzeug und die digitalen Ansprüche der Kunden an ihr Auto sind so umfangreich, dass wir hier ganz richtig aufgehoben sind», sagt ein Audi-Sprecher.

Die klassischen Kfz-Themen wie Leistung, Fahrverhalten oder Verbrauch sind angesichts der neuen Elektronik aber nicht vergessen. Auf der Motorshow in Detroit (13. bis 26. Januar) zählen nicht mehr Bits und Bytes, sondern die alten Werte.

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