Beim Carsharing auf Höhe der Selbstbeteiligung achten
Immer mehr Autofahrer setzen auf Teilen statt Besitzen. Nutzer des Carsharings sollten sich immer über die Höhe der Selbstbeteiligung informieren. Foto: Andrea Warnecke

Immer mehr Autofahrer setzen auf Teilen statt Besitzen. Nutzer des Carsharings sollten sich immer über die Höhe der Selbstbeteiligung informieren. Foto: Andrea Warnecke

Ganz mobil: Bei einigen Anbietern stehen die Autos dezentral und lassen sich per Karte oder Schlüssel-Siegel öffnen. Foto: Franziska Kraufmann

Carsharing-Angebote sind gute Werbung für Autohersteller wie Citroën. Foto: Florian Kleinschmidt

Bei Anbietern von stationärem Carsharing erfolgt die Ausleihe meist an einem Tresor-Automaten. Foto: Arne Dedert

Manche Carsharing-Unternehmen haben reservierte Parkplätze. Wer woanders parkt, muss auf Parkverbote achten, sonst wird es teuer. Foto: Andreas Gebert

Carsharing bieten einige Unternehmen auch mit Elektroautos an. Foto: Greenpeace Energy eG

dpa, Bild 1 von 6

Immer mehr Autofahrer setzen auf Teilen statt Besitzen. Nutzer des Carsharings sollten sich immer über die Höhe der Selbstbeteiligung informieren. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa) - Am Anfang hatte Carsharing ein Müsli-Image: irgendwas für Öko-Freaks ohne Auto. Heute hat auch dank moderner Technik die Bequemlichkeit gesiegt - nicht nur in Großstädten.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es Carsharing in Deutschland, doch erst seit wenigen Jahren wird das Prinzip «nutzen statt besitzen» immer beliebter. Für einen kleinen, aber wachsenden Teil der Fahrer hat das eigene Auto seinen Reiz als Statussymbol verloren. Es locken die geringeren Kosten und die Bequemlichkeit - auch dank Smartphones.

Was istCarsharing?

Der Begriff steht für das organisierte und gemeinschaftliche Nutzen von Autos. Auf dem deutschen Markt tummeln sich inzwischen rund 150 Anbieter mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Traditionell gibt es feste Ausleihstationen. Seit 2011 sind, eng im Zusammenhang mit der Verbreitung von Smartphones, mobile Angebote dazugekommen. Die Autos stehen in 14 deutschen Großstädten am Straßenrand, der nächste freie Wagen lässt sich via Internet orten und reservieren. Hinter den Flotten der drei großen mobilen Anbieter «Car2Go», «DriveNow» und «Multicity» stehen die Automobilunternehmen Daimler, BMW und Citroën.

Was ist der Unterschied zu einem Mietwagen?

Carsharing ist bewusst dezentral organisiert, zum Beispiel in Wohngebieten. Nur einmal wird ein Rahmenvertrag mit einem Anbieter geschlossen. Danach lassen sich freie Autos rund um die Uhr nutzen. In der Regel zahlen Kunden beim Carsharing pro Fahrt einen bestimmten Betrag, berechnet zum Beispiel nach Zeit und gefahrenen Kilometern. Mit Chipkarten ist das System heute meist einfach zu bedienen.

Was sind Vorteile beimCarsharing?

Für Kunden ist es vor allem bequem. Sie müssen sich weder um TÜV, Versicherungen, Reparaturen noch Wartung kümmern - und oft auch nicht um den Sprit. Nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing kommt das Modell bei weniger als 10 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr billiger als ein eigenes Auto. Bei stationären Angeboten lässt sich die Fahrzeuggröße je nach Bedarf auswählen. Von Anfang an zählte bei der Idee der Umweltschutz. Jedes Fahrzeug an einer Station ersetzt nach Berechnungen des Deutschen Städtetages bis zu elf Privatwagen und spart so Energie, Klimagase und Parkraum. Kunden überlegen jedes Mal, ob sie für einen Weg ein Auto brauchen oder es Alternativen gibt.

Wer nutztCarsharing?

Bei den stationären Angeboten greifen nach Angaben des Bundesverbandes vor allem Kunden zwischen 30 und 50 Jahren zu. Es gibt die Gruppe der Gutverdiener, für die das Auto als Statussymbol keine Rolle mehr spielt. Daneben gibt es Kunden, die sich kein eigenes Autos leisten können. Die mobile Flotte ist besonders bei jungen Großstädtern zwischen 20 und 28 Jahren beliebt. Mehr als die Hälfte der Kunden testet Carsharing eine Weile - und schafft das eigene Auto später ab.

Ist Carsharing ein reines Großstadtphänomen?

Nein. Stationäre Angebote gibt es auch in ländlichen Regionen, oft steht dahinter aber auch ehrenamtliches Engagement. So gibt es Carsharing auch im thüringischen Tonndorf mit seinengerade mal 670 Einwohnern. In der fränkischen 300-Seelen-Gemeinde Gnötzheim hat die Kirchengemeinde das «Dorfauto» organisiert. Mobile Angebote gibt es aber meist nur in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern.

Wo istCarsharingam beliebtesten?

Mit 1,93 Autos pro 1000 Einwohner bietet Karlsruhe mit Abstand das dichteste Netz in deutschen Städten über 200 000 Einwohnern. Der Bundesverband führt diesen Spitzenplatz auf passgenaue Angebote, enges Zusammenspiel mit dem öffentlichen Nahverkehr und die günstige Stadtstruktur zurück: viele Gutverdiener, wenig Arbeitslose und dicht bebaute Wohnquartiere nahe der Innenstadt. In den Top 5 folgen danach Stuttgart (1,38), Köln (1,17), Düsseldorf (1,0) und München (0,87). Bei Autos ohne Station hält Berlin mit 2300 Wagen mit Abstand das größte Angebot in Deutschland vor. Gerechnet auf 1000 Einwohner kommt die Hauptstadt mit einer Quote von 0,67 trotzdem nur auf den vierten Platz hinter Düsseldorf (0,84), Stuttgart (0,73) und Köln (0,69).

Ist Carsharing eine Konkurrenz für Bus, Bahn oder Taxi?

Nein. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht das Angebot als Ergänzung. Zum Beispiel, wenn Bus und Bahn nachts seltener fahren oder ein Kunde an den Stadtrand will. In vielen Großstädten gebe es inzwischen Kooperationen zwischen Carsharing und dem Nahverkehr, sagt Sprecher Lars Wagner. In Osnabrück betreiben die Stadtwerke Carsharing gleich mit. Dieses Modell sei bisher aber eine Ausnahme. Der deutsche Taxiverband sieht im mobilen Carsharing eine kleine Konkurrenz, weil die Wagen für Fahrten in der Innenstadt kostengünstiger sein können. Die größere Konkurrenz aber seien Zweit- und Drittwagen in Familien, sagte Sprecher Matthias Schmidt. Schaffe eine Familie ihre Autos dagegen ganz ab, werde das Taxi als schneller Lückenfüller sogar attraktiver. Und nach Alkoholgenuss sei es für den Weg nach Hause weiterhin unschlagbar.

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