Batterieauto «E-Quickie»
Der Elektromechanik-Professor Jürgen Walter beim Probeliegen im «E-Quickie».

Der Elektromechanik-Professor Jürgen Walter beim Probeliegen im «E-Quickie».

dpa

Der Elektromechanik-Professor Jürgen Walter beim Probeliegen im «E-Quickie».

Karlsruhe (dpa) - Leicht, leise, langsam: Mit diesen Merkmalen beschreibt Elektromechanik-Professor Walter das Auto von morgen. Angetrieben wird es durch Stromschleifen im Boden. Der Prototyp soll demnächst in Karlsruhe seine Leistung unter Beweis stellen.

Jürgen Walter zwängt sich in die enge Kabine, die an ein Segelflugzeug erinnert. Doch statt Flügeln stehen an der Seite zwei Fahrradräder ab. Im Heck versteckt sind zwei kleine Batterien, die einen elektrischen Nabenmotor antreiben. «E-Quickie» hat der Karlsruher Professor für Elektromechanik das Gefährt getauft, das er gemeinsam mit seinen Studenten entwickelt hat. Denn immerhin schafft das Elektroauto eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde. «Genau richtig für den Stadtverkehr», sagt Walter.

Die Batterien sind allerdings sehr klein. Ihre Leistung reicht gerade einmal für eine Fahrt von etwa 15 Minuten. Aber sie sind auch nur als eine Art Ersatztank gedacht. Die eigentliche Stärke des Gefährts liegt in der Platte unter dem Kabinenboden. Sie gewinnt Strom aus Leiterbahnen, die im Boden eingelassen sind. Das System funktioniert ähnlich wie bei einer Carrera-Bahn. Das «E-Quickie» zieht seine Energie allerdings berührungslos. Dazu muss die Platte wenige Zentimeter über den in der Straße eingelassenen Stromkabeln schweben.

Im Fachjargon heißt das System «induktive Ladungstechnik». «Das ist keineswegs neu, sondern wird schon von einigen Betrieben für ihre Flurförderfahrzeuge genutzt», erklärt Walter. Gemeinsam mit einem solchen Unternehmen, der SEW Bruchsal, hat er das Pilotprojekt auf die Räder gestellt, um zu zeigen, dass die Technik auch auf der Straße funktioniert.

Seine Feuertaufe hat das «E-Quickie» bereits bestanden. Im Mai fuhr es in der Messe Karlsruhe auf einem rund 220 Meter langen Parcours 40 Runden am Stück - macht knapp neun Kilometer. «Und das Schöne dabei war: Wir sind mit halbvollen Batterien losgefahren und mit vollen Batterien angekommen», erzählt der Professor stolz.

Die induktive Technik löst ein großes Problem der Elektroautos: die schweren Batterien, die über lange Zeit aufgeladen werden müssen. Voraussetzung für den innerstädtischen Betrieb wäre allerdings, dass zumindest in den Hauptstraßen Elektrokabel verlegt werden. Für den Professor ist das keineswegs eine abwegige Idee.

Dass es funktioniert, will er bald beweisen. «Wir wollen eine vier Kilometer lange Strecke von der Hochschule zur Hochschulbibliothek verkabeln.» Die Kosten für das Auffräsen des Teerbelags und das Versenken des Kabels schätzt er auf zwischen 100 und 200 Euro pro Meter. Auf dieser Bahn soll dann ein «E-Quickie»-Nachfolger die täglichen Bücherfahrten zurücklegen - angetrieben mit so viel Energie, wie zwei Bügeleisen verbrauchen.

Gefährlich ist die Technik nicht, da die Kabel geringe Spannung führen. «Nur zwischen der Platte und den Stromkabel entsteht ein kräftiges Magnetfeld. Aber da passt kein Kopf dazwischen», erklärt Walter.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) verfolgt das Experiment mit großem Interesse. Bereits vor einem Jahr regte er mit anderen Verbänden die Förderung der induktiven Ladungstechnik an. Dabei hatten sie aber vor allem reine Ladestationen für Elektroautos im Blick, wie es sie bereits im italienischen Turin für 20 Elektrobusse gibt. Diese können auf speziellen Parkplätzen Strom ziehen. «Das geht ohne Anschlusskabel und bei jedem Wetter, ist wartungsfrei und vor Vandalismus geschützt», führt Herbert Zimmermann vom ZVEI die Vorteile auf.

Solche «Tankstellen» könnten auf allen möglichen Parkplätzen eingerichtet werden. Über die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann einmal die Straßen mit Stromnetzen durchzogen werden, will er keine Prognose abgeben.

Doch solche Zweifel sind Jürgen Walter egal. Er will es einfach wissen - und mit seinen Studenten am konkreten Fall experimentieren. «Denen macht das richtig Spaß, diese Autos zu bauen und damit Rennen zu fahren», sagt er und pult sich wieder aus der engen Kabine. «Und ich bin auch nicht ganz frei davon.»

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