Winfried Langner (77) will mit Trecker und Wohnwagen rund 1900 Kilometer zurücklegen.

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Winfried Langner will sich mit Trecker und Wohnwagen auf den Weg nach Mallorca begeben.

Winfried Langner will sich mit Trecker und Wohnwagen auf den Weg nach Mallorca begeben.

dpa

Winfried Langner will sich mit Trecker und Wohnwagen auf den Weg nach Mallorca begeben.

Lauenförde. Baujahr 1961, Ein-Zylinder, 15 PS, Spitzengeschwindigkeit 18 Kilometer pro Stunde – nicht gerade Daten, die auf ein Fahrzeug für Fernreisen hindeuten. Das ist Winfried Langner egal. „Ich hab’ doch Zeit“, sagt der Rentner aus Lauenförde an der Weser, wo Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen zusammentreffen. Demnächst holt der frühere Baumaschinenmonteur wieder Trecker „Robert“ aus der Garage, hängt einen Mini-Wohnwagen an und bricht auf. Sein Ziel ist in diesem Jahr Mallorca.

In Winfried Langners Wohnzimmer stehen Traktoren, Kräne, Radlader und Bagger aller Art. Die Modelle parken sauber aufgereiht auf Glasregalen. In einer Vitrine gibt es auch ein paar Motorräder. Seine echten Motorräder hat Langner vor ein paar Jahren alle verkauft.

2004 kaufte Langner den Deutz und machte sich an die Arbeit

Vor 15 Jahren ist Winfried Langner in Rente gegangen. Schon vorher hat er sich Gedanken über den „Ruhestand“ gemacht. „Ich kann nicht einfach so rumsitzen.“ Dann kam er auf die Idee mit dem „Schlepper“, wie der Fachmann sagt. 2004 hat er den Deutz vom Typ D15 gekauft. „Dann hab’ ich ihn erstmal zerlegt, Teile erneuert und dann wieder zusammengebaut.“

„Darum kann ich mich auch auf mein Schätzchen verlassen“, sagt der 77-Jährige mit Stolz. „Damals habe ich meiner Enkelin Anne Sophie immer aus einem Kinderbuch vorgelesen, da kamen auch ein Opa mit Schiebermütze und ein Trecker drin vor.“ Der Trecker hieß Robert und damit hatte auch der frisch aufgebaute Schlepper von Langner seinen Namen.

Seitdem ist er mit „Robert“ unterwegs. 2006 war er auf einem Trecker-Treffen am Großglockner, 2008 ist er zum St. Gotthard gefahren. Im Schlepptau hat er einen kleinen Wohnwagen, wie eine Schnecke mit ihrem Haus.

Bis jetzt hatte Langner noch nie eine Panne. Damit das so bleibt, ist eine Werkzeugkiste mit Ersatzteilen an Bord. Und ein Kanister mit 20 Litern Einbereichsöl für die vier Ölwechsel, die auf der Tour fällig werden.

Für Langner ist es aber auch wichtig, mit der Maschine zu reden. „Morgens kriegt der Trecker immer ein paar Streicheleinheiten und ich frage ihn: Na Robert, alles klar?“, erklärt der Rentner.

Jetzt geht es nach Mallorca. „Am 22. April um Punkt acht Uhr geht es los“, sagt Langner, der in Trecker-Kreisen „der Fernfahrer“ heißt. Zwei Aktenordner liegen bereit, sein Sohn hat ihm die ganze Tour penibel zusammengestellt, Routen ausgedruckt und Campingplätze markiert.

Insgesamt sind es gut 1900 Kilometer. Spätestens am 24. Mai will Langner in Barcelona sein und mit der Fähre nach Mallorca übersetzen. Wenn „Robert“ ein Durchschnittstempo von 15 Kilometern pro Stunde schafft, müsste Langner etwa 127 Stunden am Steuer sitzen. Autoradio? Fehlanzeige. Ist das nicht langweilig, so ganz allein? „Nee, wenn ich meinen Schlepper hör’, ist alles gut.“ Außerdem winken ihm die Menschen zu, wenn sie ihn und sein Gefährt überholen. „Und wenn ich Trecker-Freunde treffe, wird erstmal geschnackt. Junge, Junge, Junge.“

Eine Reise mit dem Flugzeug kommt für den Rentner nicht in Frage

Langner sitzt an seinem Küchentisch und blättert in Fotoalben von seinen Touren. „Die hat noch meine Frau zusammengestellt. Sie ist im Juni 2012 gestorben“, erzählt er und muss einen Augenblick lang schlucken. „Zweimal war sie mit dem Flieger auf Mallorca, aber ich geh’ in sowas nicht rein. Darum will ich jetzt dahin.“

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