Der Nabu fordert weniger Traditionsfeuer. Privatleute halten sich oft nicht an die Vorgaben. Das ist gefährlich.

Das große Martinsfeuer auf dem Niederheider Festplatz in Willich – auf diese Art von Veranstaltung bezieht sich die Kritik des Nabu ausdrücklich nicht.
Das große Martinsfeuer auf dem Niederheider Festplatz in Willich – auf diese Art von Veranstaltung bezieht sich die Kritik des Nabu ausdrücklich nicht.

Das große Martinsfeuer auf dem Niederheider Festplatz in Willich – auf diese Art von Veranstaltung bezieht sich die Kritik des Nabu ausdrücklich nicht.

Reimann

Das große Martinsfeuer auf dem Niederheider Festplatz in Willich – auf diese Art von Veranstaltung bezieht sich die Kritik des Nabu ausdrücklich nicht.

Kempen. Schön anzusehen sind sie. Und ideal für einen gemütlichen Abschluss des Martinszuges sind sie auch: die traditionellen Martinsfeuer. Gegen so ein romantisches Lodern an sich hat Hans Palm vom Naturschutzbund (Nabu) Kempen auch nichts. „Aber es gibt von Jahr zu Jahr mehr Feuer. In diesem Jahr waren es 71“, sagt Palm. Das sei überproportional.

„Viele Nutzen einfach nur die Gelegenheit, um ihre Abfälle, zum Beispiel aus dem Garten, zu verbrennen.“

Hans Palm, Nabu

Dieser Einschätzung widerspricht der städtische Beigeordnete Hans Ferber. Die Zahl der sogenannten Traditionsfeuer zu Anlässen wie Ostern oder St. Martin sei „relativ konstant“. „Zum Martinstag werden bei uns jedes Jahr zwischen 50 und 60 Feuer angemeldet“, sagt Ferber.

Nicht nur, dass es dem Nabu zu viele Feuer sind, die mit Genehmigung der Stadt abgebrannt werden, auch bemängelt der Umweltverband, dass sich viele nicht an die Regeln hielten. „Viele Nutzen einfach nur die Gelegenheit, um ihre Abfälle, zum Beispiel aus dem Garten, zu verbrennen“, sagt Palm. Das ist nämlich verboten.

Rahmenvorgaben kommen vom Land

Wer unbedingt ein Feuer entzünden möchte, muss sich noch an weitere Regeln halten. So darf das Brenngut frühestens einen Tag zuvor aufgeschichtet werden. „Sonst haben sich bereits Igel und andere Tiere in dem Haufen eingenistet“, sagt Hans Ferber. Auch das Holz muss trocken sein. „Sonst droht eine Dioxin-Vergiftung“, warnt der Beigeordnete. Die Regelung ist übrigens keine eigene der Stadt Kempen, sondern basiert auf dem Landes-Imissionsschutzgesetz.

Kontrollen sind nur schwer durchführbar

Ob diese Vorgaben eingehalten werden, lässt sich indes nur schwer kontrollieren. Das gibt auch Ferber zu: „Wir können nicht alle Feuerstellen überwachen, dann müssten wir ja permanent dabei sein.“

Wer Holz verbrennt, das mehr als 20 Prozent Feuchtigkeit enthält, der setzt laut Hans Palm vom Nabu gefährlichen Feinstaub sowie Dioxine frei. „Durch den Feinstaub wird die Lunge geschädigt“, sagt Palm. Eine Bronchitis oder Lungenentzündung könne die Folge sein.

Das Abbrennen muss beim zuständigen Ordnungsamt beantragt werden.

Bislang überwacht das Ordnungsamt die Situation stichprobenartig. Sollten die Mitarbeiter in dem Haufen beispielsweise Abfälle finden, können diese das Abbrennen untersagen. Kann nach dem Feuer ein Verstoß gegen die Regeln nachgewiesen werden, wird laut Ferber sogar ein Bußgeld fällig. Doch dazu wird es nur selten kommen. Das hat einen simplen Grund: Schließlich sind die Beweise in der Regel verbrannt.

Für die kommende Saison denkt die Stadt übrigens über eine Neuordnung der Traditionsfeuer nach. „Vielleicht darf dann nicht mehr jeder ein Feuer anmelden, sondern nur noch Vereine und Verbände“, stellt der Beigeordnete in Aussicht.

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