Ein Förderprogramm hilft bei der Berufsausbildung in Teilzeit. Die Teilnehmer werden vorbereitet, begleitet und vom Land finanziell unterstützt.

Lehrstellen

Bischof, Andreas (abi)

Krefeld. Als die kleine Lea geboren wurde, war ihre Mama Jenni Muhr gerade 17 Jahre alt. Sie hatte zwar den Hauptschulabschluss in der Tasche, aber an eine Ausbildung war vorerst nicht zu denken. „Anfangs war ich als Vollzeit-Mama zu Hause“, sagt die heute 19-Jährige. „Doch mit der Zeit wurde das ganz schön langweilig. Ich wollte mal was Neues machen, etwas für mich.“ Doch eine Lehrstelle zu finden, ist für alleinerziehende Eltern nicht einfach – vor allem wenn der Nachwuchs noch nicht in einer Kindertagesstätte untergebracht ist. Die Möglichkeit einer betrieblichen Ausbildung in Teilzeit bieten noch sehr wenige Unternehmen an, obwohl es die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schon seit 2005 gibt. Die Folge: Rund die Hälfte aller Alleinerziehenden hat keinen Berufsabschluss, viele sind von Transferleistungen des Staates abhängig.

Schlüsselqualifikationen werden vermittelt

Um am TEP-Programm teilzunehmen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Die Anwärter haben mindestens ein eigenes Kind (oder betreuen einen pflegebedürftigen Angehörigen) und dürfen keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Es spielt auch keine Rolle, ob man alleinerziehend ist.

Weitere Informationen gibt es bei Bettina Mönnich vom Institut für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung (IMBSE) unter Telefon 644 43 78 oder per E-Mail an: moennich@imbse-gmbh.de

„Das Ausbildungssystem in Deutschland ist leider immer noch auf Vollzeit ausgerichtet“, sagt Willfried Schreiber, Geschäftsführer des Krefelder Instituts für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung (IMBSE). „In Anbetracht des demografischen Wandels und sinkender Schulabgängerzahlen kann es sich die Wirtschaft aber nicht mehr leisten, auf potenzielle Fachkräfte zu verzichten.“ Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen hat deshalb das Förderprogramm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“, kurz TEP, aufgelegt. IMBSE ist einer der Träger. Das Institut fungiert als Schnittstelle zwischen den Unternehmen und den potenziellen Azubis. Zuerst beginnt für die TEP-Teilnehmer eine viermonatige Vorbereitungsphase. Dabei geht es darum, Schlüsselqualifikationen zu vermitteln – wie zum Beispiel den Umgang mit gängigen Computerprogrammen oder kaufmännische Mathematik. „Aber es stehen auch Bewerbungstraining, Stärken-Schwächen-Analyse und Berufswahlorientierung auf dem Programm“, sagt Bettina Mönnich, die das Projekt bei IMBSE betreut. „Erst danach wird der Kontakt zu den Unternehmen aufgebaut.“ Klappt es mit der Lehrstelle, begleitet das Institut die Teilnehmer noch acht Monate lang. Das Land NRW zahlt über ein Jahr monatlich 130 Euro, um bei den Kinderbetreuungskosten auszuhelfen.

Die 19-Jährige hat seit August einen Ausbildungsplatz „Die meisten Unternehmen, die sich auf das Abenteuer Ausbildung in Teilzeit einlassen, merken schnell: Eine eigene Familie zu haben, ist eine große Stärke“, berichtet Mönnich, selbst alleinerziehende Mutter von drei Kindern. „Junge Eltern stehen meist mit beiden Beinen fest im Leben, sind hochmotiviert, verantwortungsbewusst und wissen die Chance zu schätzen, die sich ihnen bietet.“ Auch Jenni Muhr überzeugte ihre künftigen Chefs bei der Bäckerei Hoenen auf den ersten Blick. Aus einer großen Gruppe Bewerber stach sie sofort hervor, weil sie auf das Gespräch so gut vorbereitet war. Seit August macht sie nun eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin. „Das klappt wirklich super“, sagt sie. „Das Unternehmen versucht sich so gut wie möglich auf meine Bedürfnisse einzustellen.“ Belohnt wird die Bäckerei dafür mit einer strebsamen Azubine: Jenni Muhr ist in der Berufsschule mit Abstand Klassenbeste.

Die Trennung von Tochter Lea war ein großer Schritt „Ich weiß noch, wie glücklich ich nach der Vertragsunterzeichnung war“, erinnert Jenni Muhr sich. „Doch sofort kam der Gedanke: Oh Gott, jetzt muss ich Lea weggeben.“ Die fühlt sich bei der Tagesmutter aber sichtlich wohl. „Viele Eltern kostet die Trennung von ihren Kindern richtig Überwindung“, sagt Bettina Mönnich. „Auch deshalb ist es wichtig, dass sie mentale Unterstützung erfahren.“

Leserkommentare (4)


() Registrierte Nutzer