Spurensuche in Düsseldorf

BBC-Doku führt Briten an den Rhein

Gemeinsam mit Historiker Joachim Schröder wollte Robert Voss (o.l) in der Doku herausfinden, was seinen Großeltern Elfriede und Ferdinand und Großcousine Carla Voss passiert ist. Foto: Robert Voss

Düsseldorf. Es geht um eine wichtige Entscheidung: Deutscher Pass oder nicht? Personen, deren Familie während des Nationalsozialismus in Deutschland nach Großbritannien geflohen ist, haben Anspruch auf einen deutschen Pass – im Rahmen des Brexit eine verlockende Möglichkeit. In der BBC-Doku „British Jews, German Passports“ fragen sich drei jüdische Briten, ob sie einen deutschen Pass mit ihrem Gewissen und dem Gedenken an ihre Familien, die Schreckliches erlebt haben, vereinbaren können. Die Suche nach Antworten führte einen von ihnen nach Düsseldorf.

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Die Großeltern von Robert Voss – Elfriede und Ferdinand – wurden 1942 von Mönchengladbach über Düsseldorf deportiert und in Izbica ermordet. Ihr Sohn Richard konnte über einen Kindertransport nach England gerettet werden. „Was würde mein Vater tun?“, ist die Frage, die Robert Voss bei der Entscheidung um den Pass umtreibt. Würde er sich für einen deutschen Pass entscheiden? Trotz allem, was der Familie dort angetan wurde? Um dem Schicksal seiner Vorfahren auf die Spur zu kommen, wandten sich Robert Voss und die BBC an den Düsseldorfer Historiker Joachim Schröder.

Robert Voss ist sichtlich bewegt vom Schicksal seiner Familie

Gemeinsam mit Historiker Joachim Schröder wollte Robert Voss (o.l) in der Doku herausfinden, was seinen Großeltern Elfriede und Ferdinand und Großcousine Carla Voss passiert ist. Foto: Robert Voss

„Es war spannend, an so einer Dokumentation mitarbeiten zu können“, sagt der. Jemandem zu helfen, das Dunkel seiner Familiengeschichte aufzuhellen, sei für ihn mit ein Grund, warum er diese Arbeit mache.

Für die Doku besuchten sie gemeinsam verschiedene Orte, an denen sich Voss’ Familie in den letzten Tagen ihres Lebens aufhielten, darunter die ehemalige Großviehhalle in Derendorf, in der sie wohl die letzte Nacht vor der Deportation verbracht haben, oder das Haus in Mönchengladbach, in dem sie zuletzt wohnen mussten.

Von dem, was Voss über seine Familie erfährt, ist er in der Doku sichtlich bewegt. Vieles war ihm offenbar vorher nicht bekannt oder bewusst gewesen. Besonders, dass auch seine Großcousine Carla – damals noch ein Kind – vor den grausamen Taten der Nazis nicht geschützt war, geht ihm nahe. „Er war sehr schockiert darüber, mit welcher Bürokratie und Effizienz Menschen wie seine Familienangehörigen deportiert und ermordet wurden“, erinnert sich Schröder an Voss’ Reaktion auf die Informationen, die er in Düsseldorf erhalten hat. Am Ende der Sendung steht für ihn die Entscheidung fest: Er will keinen deutschen Pass.

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