Meinung

Heynckes? Uli Hoeneß ist besoffen von einer Idee

Olaf Kupfer Foto: Sergej Lepke

Das Fußball-Kino legt eine wirklich gute Filmrolle auf: Wenn Jupp Heynckes beim FC Bayern aufschlägt, ist jedenfalls große Unterhaltung garantiert. Weil alles spannender sein wird, als die doch arg uninspirierten Auftritte des Ex-Trainers Carlo Ancelotti und seiner bajuwarischen Kicker. Und weil es schlicht wahnsinnig interessant ist zu beobachten, ob eine solche Pointe des Geschäfts am Ende doch noch funktionieren kann. Soll heißen: Kann der FC Bayern als wandelnder Anachronismus im überhitzten Milliardengeschäft Weltfußball mit einem 72-Jährigen Rentner zwischen all den Konzepttrainern und Scheckwedlern mit Scheichtum mitspielen? Oder aber ist längst der Abstieg eines reaktionären Fußballclubs eingeläutet, der in der Trainerentscheidung für Heynckes nur seinen letzten Ausdruck findet?

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Man mag ja gar nichts Schlechtes über Heynckes schreiben. Warum auch? Ein feiner Mann, ein guter Geist, einer, der andere noch achtet – und auch noch agil. Und natürlich auch ein bisschen eitel, was ihn nun zu seinem vielleicht größten Fehler verführt: noch einmal einzuspringen, den vielleicht grandiosesten Abschied eines Fußball-Trainers in die Tonne zu treten und noch einmal ins Risiko zu gehen. Heynckes setzt aufs Spiel, was er sich – und das vergisst man oft nach eher unglamourösen Trainerstationen in Mönchengladbach, Schalke oder Frankfurt – erst im Alter aufgebaut hat: Bewunderung. Gar wie ein Heiliger erschien er als moralisches Vorbild an der Spitze einer verkommenen Fußball-Welt. Und jetzt?

Jetzt ist Heynckes vor allem eines: Der nachhaltige Beweis, dass Uli Hoeneß in diesem Club die Patriarchenrolle selbst verschuldet nur kurz hat ruhen lassen müssen – und jetzt gegen alle Bedenken durchsetzt, was er für richtig hält: eine bayerische Fußball-Familie von Freunden, die zusammenhält – und mit dem Festgeldkonto seinen Bestand im Haifischbecken sichert.

Das ist fast romantisch, aber es ist natürlich auch völlig perspektivlos. Und es ist die Absage an die Sicht auf jenen Fußball, der sich in permanenter Weiterentwicklung befindet. Hoeneß Fußball-Welt hangelt sich nur noch von Episode zu Episode. Und der Präsident ist betrunken von der Idee, vielleicht mit seinem Freund Jupp einen letzten Triumph zu feiern, die Entlassungen von einst wiedergutzumachen und womöglich gemeinsam abzutreten. Vielleicht ist er das Heynckes noch schuldig. Wahrscheinlicher aber tut er damit niemandem einen Gefallen.

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